Problemfelder bei Social Media Glossaren

Nicht jeder Webnutzer ist gleich ein Kind der Generation „Digital Natives“ und fühlt sich im Netz und daheim bei Mutti gleichermaßen wohl. Sich als Neueinsteiger in die Social Media Welt einzuarbeiten, bedarf Zeit und vieler Erklärungen. Ein Social Media Glossar kann einen Ausgangspunkt bieten, um sich in der Welt der Social Media Fachbegriffe zurechtzufinden. Doch ein Social Media Glossar bringt Problemfelder mit sich und diese sollen im Folgenden aufgedeckt werden.


Übersicht über die Problemfelder

  • Definition von Social Media
  • Verfasser und Umgang mit den Zielgruppen
  • Aktualität
  • Umfang
  • Präsentationsform


Definition von Social Media

Grundlegend für ein Social Media Glossar ist die Frage nach Social Media als Grundbegriff: Wie sieht der Verfasser Social Media? Mit welcher Definition im Hinterkopf hat der Autor das Glossar erstellt? Sie sollte zumindest im Glossar selber nachzuschlagen oder im Idealfall in der Einleitung eingebaut sein. Eine solche Definition gibt Neueinsteigern eine erklärende Basis, um den Begriff, den er nachgeschlagen hat, im Gesamtzusammenhang zu verstehen. Außerdem kann der Autor auch durch seine Definition von Social Media seine Auswahl an Wörtern im Glossar erklären. Eine sehr enge Definition beispielsweise schließt gewisse spezielle Begriffe aus.

Sehr erstaunlich ist, dass zwei von acht näher betrachteten Social Media Glossaren (Zum Schluss dieses Artikels finden Sie eine Liste mit allen betrachteten Glossaren) nicht nur keine Definition in der Einleitung zu finden, sondern diese nicht mal in der Liste der erklärten Begriffe zu aufgelistet sind (FAZ und Der 13. Stock). Bei einem Social Media kann bei weitem nicht vom Nutzer erwartet werden, dass ihm der Begriff vollkommen geläufig ist. Denn selbst in Fachkreisen ist es noch zu keinem Konsens bei der Definitionsfrage gekommen.

Kategorie „S“ im Social Media Glossar der FAZ


Verfasser und der Umgang mit den Zielgruppen

Ein weiteres Spannungsfeld bei Social Media Glossaren stellt der Hintergrund der Autoren an sich dar; in diesem Zusammenhang aber auch die Zielgruppe. Sechs von acht betrachteten Lexika haben als Verfasser Agenturen oder Unternehmen, die sich um den Internetauftritt von Firmen in sozialen Medien und Netzwerken kümmern.

Einleitung des Social Media Lexikons auf marketing-site.de

Damit ist ihre Zielgruppe nämlich die Kunden und Interessenten klar. Häufig sind auch die Glossare besonders im Social Media Management Bereich sehr umfangreich. Dagegen weisen in anderen Bereichen wie sozialen Netzwerken Lücken auf. Deswegen empfiehlt es sich, in der Einleitung nicht nur auf das jeweilige Verständnis von Social Media, sondern auch auf die Zielgruppe hinzuweisen.

Abgesehen von Unternehmen, die in Social Media einsteigen wollen, ergeben sich als Zielgruppe für ein Glossar noch Neueinsteiger und bereits mit Social Media vertraute Nutzer. Beide Zielgruppen können mit dem Aufsuchen eines solchen Glossars oder Lexikons zwei wesentliche Gründe haben:

  • Sie suchen gezielt nach Wörtern
  • Sie wollen sich – wohl besonders im Fall der Neueinsteiger – einen Überblick verschaffen

So bringen beide Gruppen unterschiedliches Vorwissen mit, das es zu beachten gilt. Und auch die unterschiedlichen Motive sollten bei einem qualitativ hochwertigen Glossar berücksichtigt werden.

Jedoch zunächst einmal zum Umgang mit den unterschiedlichen Voraussetzungen der Zielgruppen:
Um beiden gerecht zu werden, kann man beispielsweise die Komplexität verschiedener Begriffe auf das Nötigste herunterbrechen. Somit werden auch Neueinsteiger abgeholt. Eine andere Möglichkeit wäre, missverständliche oder unbekannte Wörtern zu verlinken, um so eine Erklärung zu bieten. Überhaupt verlinken nicht alle Glossare innerhalb der Erklärungen, obwohl sie als Weiterleitung bspw. zu sozialen Netzwerken gut dem Verständnis dienen können.

Wenn man mit einem Social Media Glossar, eine breite Masse erreichen will, ist es schlussendlich am sinnvollsten, Begriffe möglichst simpel und kurz zu erklären. Denn eine Verlinkung innerhalb der Erklärungen heißt auch nicht unbedingt, dass insbesondere Neueinsteiger alles verstehen.


Aktualität und Umfang

Eine sicherlich gravierende Schwierigkeit, vor der ein Social Media Glossar steht, ist die Aktualität. Social Media ist ein Prozess und diesem Prozess muss ein solches Glossar gewachsen sein, also ihm folgen können. Im September 2011 beispielsweise wurde die Anmeldung zum sozialen Netzwerk Google+ auch ohne Einladung möglich. Nur eins der acht betrachteten Glossare konnte einen Eintrag zu diesem Netzwerk vorweisen. Dabei konnte das Netzwerk bereits am 7. März 2012 über 100 Millionen Mitglieder vorweisen.
Ein qualitativ hochwertiges Social Media Glossar ist also auch von den Ressourcen, die man zur Pflege einsetzt, abhängig. Als Verfasser sollte man sich deswegen bewusst sein, dass das Definieren der Wörter keinesfalls ein einmaliger Aufwand ist.

Google+ Eintrag bei marketing-site.de

Mit der Aktualität kommt auch die Frage des Umfangs auf, die hier nicht abschließend geklärt werden kann. Einige der betrachteten Glossare erheben in der Einleitung nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, was bei der Fülle an Begriffen zum Thema Social Media durchaus sinnvoll ist. Die Mindestanzahl an Definitionen lag bei den betrachteten Glossaren bei 23 und ging hoch bis zu ungefähr 120 erklärten Begriffen. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass der Umfang auch eine Frage der Möglichkeiten des Verfassers ist. Der Anspruch „Qualität vor Quantität“ sollte aber auf jeden Fall gelten. Um sich von anderen Glossaren abzuheben, muss allerdings eine große Fülle von Wörtern erklärt werden, die über die Standarderklärungen hinausgehen.
Mit einer großen Fülle an Wörtern, kann sichergestellt werden, dass tatsächlich auch beide Zielgruppen, Neueinsteiger und Erfahrene, befriedigt werden


Präsentationsformen

Bevor Agenturen oder Privatpersonen ein Social Media Glossar überhaupt starten, müssen sie sich mit der Frage auseinandersetzten, wie sie ihr Glossar präsentieren wollen. Sowohl der klassische Blog als auch ein Wiki haben Vor- und Nachteile. Keines der acht betrachteten Glossare, benutzt ein Wiki. Dagegen sind sechs Lexika direkt auf den jeweiligen Seiten der Anbieter erschienen und zwei als PDF-Datei zum Download angeboten worden. Gegen letzteres spricht schlichtweg, dass sie keinerlei Mobilität und Interaktivität besitzen. Ein Wiki hingegen bietet den Vorteil, dass im Grunde jeder als Verfasser mitwirken kann. Damit kann ein großer Umfang geschaffen werden und im Idealfall ist auch Aktualität gewährleistet. Wichtig ist jedoch zu beachten, dass nicht unbedingt qualitative Definitionen geschrieben werden, nur weil jeder als Autor veröffentlichen kann. Außerdem ist nicht unbedingt davon auszugehen, dass dieses Angebot von Nutzern angenommen wird.

Bei einer Veröffentlichung auf den Seiten der Anbieter entscheidet der Verfasser allein, welche Wörter in das Social Media Glossar gehören und wie ihre Definition lautet. Dabei ist er auch allein für die Aktualität zuständig. Allerdings kann in diesem Fall die Kommentarfunktion unter den einzelnen Begriffen behilflich sein.


Fazit der Recherche

Lieber kein Glossar veröffentlichen, als eins, das lückenhaft und inkonsequent ist wie beispielweise das Glossar der FAZ, welches zwar Twitter, aber nicht Facebook erklärt. Außerdem müssen die Autoren über genügend Ressourcen verfügen, um dem ständigen Wandel von Social Media standzuhalten und aktuell zu bleiben.

Welche noch nicht genannten Problemfelder sehen Sie im Zusammenhang mit Social Media Glossaren? Wo sehen Sie Lösungswege für diese Probleme?

Liste der betrachteten Glossare:

8 Kommentare

  1. Ich habe vor kurzem auch zum Thema recherchiert und kann den Eindruck hier teilen. Das eigentlich beste Glossar gibt es sowieso auf Wikipedia, dort wird es von der Community auch wirklich aktualisiert. Da scheint es mir ziemlich vermessen da etwas daneben entwickeln zu wollen, jedenfalls sehr ressourcenintensiv.
    Was anderes ist mein Anwendungsfall: Ich brauche ein knappen Glossar für eine eher internetferne Zielgruppe. Da macht es Sinn sowas zu machen. Da geht es aber um ein Printprodukt, wo ich sowieso weiss, dass auch der Rest von Inhalt in spätestens einem Jahr nicht mehr wirklich aktuell sein wird. Damit müssen wir Social Media Leute wohl leben 😉

    Kommentar von Andrea Mayer-Edoloeyi am 28. März 2012 um 14:18

  2. Maik Meid

    Hmm, aus meiner Sicht funktionieren Wikis nur dann, wenn ich einen definitiven Mehrwert für mich erkennen kann und der Ertrag zwischen Schreiben und Lernen erkennbar bleibt. Je mehr speziell der Inhalt ist, desto schwieriger wird’s.
    Außerdem habe ich mal gehört ^^, dass Glossare vielleicht auch nur als Content-Quelle fürs SEO dienen sollen :-) ?

    Kommentar von Maik Meid am 29. März 2012 um 07:29

  3. […] Problemfelder bei Social Media Glossaren Wikimedia: Schaut her! – Videos erläutern Wikipedia PR-Blogger: Markenbotschafter – privat vs. […]

    Pingback von Fundraising-Wochenrückblick vom 26.03.-01.04.2012 | sozialmarketing.de - wir lieben Fundraising am 2. April 2012 um 18:03

  4. […] es qualitativ hochwertig und gut nutzbar ist. Letzte Woche wurde schon die Frage nach möglichen Problemfeldern behandelt. Doch um ein gutes Social Media Glossar zu bieten, sollten auch gewisse Kriterien bei zur […]

    Pingback von Institut für Kommunikation in sozialen Medien » Handhabungskriterien bei Social Media Glossaren am 4. April 2012 um 15:12

  5. Leonie Geiger

    @Maik: Dass einige Glossare nur als Content Quelle für SEO dienen sollen, ist sicherlich der Fall. Und allein die Tatsache, dass sechs von acht Glossaren von Agenturen oder Unternehmen veröffentlich worden sind, spricht ja schon für sich…

    Kommentar von Leonie Geiger am 4. April 2012 um 15:43

  6. Leonie Geiger

    Gerade ist auch der zweite Teil über SM Glossare erschienen. Thema sind die Handhabungskriterien: http://bit.ly/Hq4zXq

    Kommentar von Leonie Geiger am 4. April 2012 um 15:48

  7. Jörg Eisfeld-Reschke

    @Andrea: Aktualisierung ist wirklich eine ständige Herausforderung. Wie groß muss eine Community sein, damit die Schwarmintelligenz auch wirklich zum Tragen kommt? Oder sollten in manchem Themenbereichen nicht doch einfach Experten ein Glossar schreiben im Sinne von Korrektheit geht vor Vollständigkeit und Aktualität?

    @Maik/Leonie: So lange es über SEO hinaus auch für die Nutzer einen Mehrwert bringt, ist das Vorgehen doch okay, oder?

    Kommentar von Jörg Eisfeld-Reschke am 4. April 2012 um 15:50

  8. […] Problemfelder bei Social Media Glossaren […]

    Pingback von Die Woche in Links (13/12) am 20. Mai 2014 um 13:36

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