@pontifex gehört nicht Benedikt XIV, @regsprecher gehört nicht Steffen Seibert

screenshot_twitter_pontifexAuf Stern.de, Huffingtonpost und Blogs wie Fastcompany wird berichtet, dass der Twitter-Account des Papst @pontifex geschlossen werden soll, wenn der Papst abdankt.

Das ist ziemlich schade, denn bisher ist die Runde der twitternden Kardinäle ziemlich klein (Quelle: Catholic News Service):

  • Cardinal Timothy M. Dolan of New York (@CardinalDolan) – 80,000 followers
  • Cardinal Sean P. O’Malley of Boston (@CardinalSean) – 9,200 followers
  • Cardinal Gianfranco Ravasi, (@CardRavasi) president of the Pontifical Council for Culture – 35,400 followers
  • Brazilian Cardinal Odilo Scherer of Sao Paulo (@DomOdiloScherer) – 22,700 followers
  • Italian Cardinal Angelo Scola of Milan (@angeloscola) – 16,800 followers
  • South African Cardinal Wilfrid Napier of Durban (@CardinalNapier) – 3,100 followers
  • Spanish Cardinal Lluis Martinez Sistach of Barcelona (@sistachcardenal) – 2,300 followers
  • Colombian Cardinal Ruben Salazar Gomez of Bogota (@cardenalruben) – 3300 followers

Auch wenn darunter Aspiranten auf den Papstsessel sind (wie zB. Angelo Scola), so kommt keine der twitternden Kardinäle an die knapp anderthalb Millionen Follower des Papstes heran. Es wäre also für alle eine große Reichweitensteigerung, den Papst des Accounts weiter zu nutzen.

Aber noch eine weitere Frage bleibt: wem gehören eigentlich die Accounts mit Bezug zu offiziellen Titeln, wie zum Beispiel der @regsprecher Account von Steffen Seibert? Oder der Account @mayorofLondon von Boris Johnson? Es ist klar, dass nicht nur die Amtszeit des Papstes, aber auch irgendwann die von Steffen Seibert oder Boris Johnson zu Ende gehen wird.

In der Frage muss man eigentlich drei Ebenen auseinanderhalten:

  1. Wem gehören die Tweets? Die öffentlichen Tweets müssten wie alle anderen öffentlichen Aussagen archiviert und für die Nachwelt zur Verfügung gestellt werden.
  2. Wem gehören die Follower? Wenn ein neuer Bürgermeister, Regierungssprecher oder Papst an die Macht kommt, werden nicht die alten Presse- und Adressenverteiler weggeschmissen, also könnte man argumentieren, dass die Twitter-Follower eigentlich eher dem Amt als der Person gehören. Andererseits hat die Person, die das Amt gefüllt hat, wesentlich dazu beigetragen, dass die Follower-Zahl so gewachsen ist. Tendenziell überwiegt aber glaube ich das öffentliche Interesse an der Weitergabe der Follower.
  3. Wem gehören die privaten Nachrichten? In erster Linie der Person, die den Twitter-Account angelegt und gepflegt hat – aber auch bei öffentlichen Personen muss private Kommunikation archiviert werden.

Die Tweets von Benedikt XIV und Steffen Seibert gehören also der Öffentlichkeit. Sie sollten eigentlich nicht ihren eigenen Account löschen dürfen, sondern Twitter müsste klar regeln, dass wer sich mit einem Titel anmeldet, eine Übergangsregelung für seinen Account festlegen muss.

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