Der Studien-Rückblick 2010

Zum Studienrückblick des 1. Quartal 2011 gelangen Sie hier.

Hier ein Überblick über die wichtigsten Social Media Studien des Jahres 2010 aus dem Bereichen:

  • Demographie
  • Infrastruktur
  • Jugend
  • Senioren
  • Politik/Governance
  • Nutzungsverhalten
  • Digital Fundraising
  • Lesenswerte Leitfäden

Demographie & Insfrastruktur

ARD/ZDF Onlinestudie 2010
Im Frühjahr 2010 nutzten 49 Millionen Menschen ab 14 Jahren wenigstens gelegentlich das Internet, dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von 69,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sind damit 5,5 Millionen Nutzer neu hinzugekommen. Die Steigerung ist sowohl auf den Zuwachs in älteren Bevölkerungsgruppen als auch auf die erstmalige Berücksichtigung der nicht-deutschen Bevölkerung in Deutschland zurückzuführen Communitys sowie Video- und Fernsehinhalte im Netz werden immer beliebter, wobei das Anschauen von Onlinevideos für die meisten Nutzer weitaus wichtiger ist als viele Web-2.0-Aktivitäten.

TNS Digital Life Study
Internetnutzer verbringen mehr Zeit täglich in sozialen Netzwerken (4,6 Stunden) als mit Emails (4,4 Stunden) oder anderen Medien. Der Antreiber des Medienwandels ist die mobile Internetnutzung.

Morgan Stanley Internet Trends
Zu den wichtigsten Erkenntnissen des Morgan Stanley Report (wir berichteten) zählt, dass nachdem bereits mehr Zeit in sozialen Netzwerken verbracht wird als mit dem Lesen und Schreiben von Emails, übersteigt nun auch die Anzahl der registrierten Netzwerk-Nutzer die von Emailpostfächern. Gründe dafür werden nicht genannt. Denkbar ist, dass der Kommunikation in sozialen Netzwerken weniger Barrieren zugrunde liegen als der Email-Korrespondenz. Als weitere wichtigen Trend ist der starke Ausbau der Bandbreite für mobile Kommunikation zu nennen sowie dass auf Facebook mittlerweile der größte Anteil der global verbrachten Online-Zeit entfällt.

(N)Onliner Atlas 2010
Die Internetnutzung in Deutschland um 2,9 Prozentpunkte auf 72 Prozent gestiegen (wir berichteten). Die Verfügbarkeit von Smartphones ist der größte Antrieb der positiven Entwicklung. Weiterhin sind jedoch 28 Prozent der über 14 Jahren nicht online.

Digitale Spaltung
Im Nachgang des (N)ONLINER-Atlas der Initiative D21 wurde eine repräsentative Befragung durchgeführt. Daraus geht hervor, dass die digitale Spaltung in Deutschlang längst Realität ist. Etwa eine Drittel der Gesellschaft wird als “digitale Außenseiter” bezeichnet, die mit dem Internet kaum bis keine Berührungspunkte haben.

Regionale Nutzung von Social Networks in Deutschland
Unter geographischen Gesichtspunkten hat Plan.net die Daten der Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung zur Nutzung sozialer Medien interpretiert und grafisch aufbereitet (wir berichteten). Leider fehlen standen hierzu keine Vergleichsdaten zur Nutzung von Facebook zur Verfügung.

AGOF internet facts 2010-III
73% Prozent der deutschsprachigen Wohnbevölkerung in Deutschland ab 14 Jahren waren innerhalb der vergangenen 12 Monate online und 72 Prozent das Internet innerhalb der letzten drei Monate  mindestens einmal genutzt. Das Internet ist alltägliches Informations- und Transaktionsmedium:  Der Anteil der Online-Shopper unter den Internetnutzern liegt bei 86%.

Women on the web
Mit 24,8 Stunden verbringen Frauen durchschnittlich 2 Stunden länger online als Männer. In Sachen soziale Medien ist der Vorsprung noch größer: 56% der Frauen nutzen das Internet um Kontakte zu pflegen. Dies gilt jedoch nur für 46% der Männer.

Jugend

EU Kids Online Studie
Die europaweite Studie kam zu dem Ergebnis, dass zwölf Prozent der Kinder online bereits negative Erfahrungen gemacht haben. Für deutsche Kinder ist die Wahrscheinlichkeit, unangenehme Erfahrungen im Internet zu machen, mit 8 Prozent geringer als im europäischen Durchschnitt.

JIM 2010
Jugendliche verbringen aktuell 138 Minuten pro Tag im Internet, überwiegend nutzen sie diese Zeit zur Kommunikation – meist in Communities und mit Instant Messenger (wir berichteten). Soziale Netzwerke im Internet haben eine starke Anziehungskraft auf Jugendliche. Jeder Zweite zwischen 12 und 19 Jahren loggt sich täglich in seiner Online-Community ein, die meisten von ihnen sogar mehrmals täglich. Der Austausch über Bilder, Einträge, Kommentare und Statusmeldungen über soziale Netzwerke ist somit die am häufigsten verwendete Kommunikationsform im Internet.

Sicherheitsrisiken für Computeranwender im häuslichen Umfeld durch kindliche und jugendliche PC-Nutzer (SirUP)
Je besser Kinder über die Absicherung von Computern, und wie sie diese überwinden können, informiert sind, desto häufiger besuchen sie illegale Webseiten oder betreiten Softwarepiraterie.

Gen Y Affluents:Media Survey
Die Gerneration Y zeigt in der Mediennutzung eine starke Präferenz für digitale Medien und interaktive Formate. Die Studie gibt darüber hinaus Auskunft über das Markenverhalten junger Menschen und Besonderheiten der Mediennutzung.

BITKOM: Elektronische Medien in Schulen
Nach den Ergebnissen der BITKOM-Umfrage wünschen sich 84 Prozent der Schüler, dass elektronische Medien im Unterricht stärker eingesetzt werden. 92 Prozent sagen, dass neue Medien Schulstunden interessanter machen und 79 Prozent, dass sie zum besseren Verständnis der Lehrinhalte beitragen.

Senioren

Internetnutzung und Zeitungsnutzung von Senioren
58% der Senioren lesen weniger oder sehr viel weniger Illustrierte, seit sie regelmäßig im Internet unterwegs sind. Den geringsten Rückgang verzeichnen Tageszeitungen mit lediglich 27 Prozent. Insbesondere für den Bereich Zeitung zeigt sich, dass die Silver Surfer souveräne Parallelnutzer sind: Nur knapp 10 Prozent haben ihre Tageszeitung wegen des Internetangebots abbestellt.

Politik/Governance

Social Media Governance 2010
Der Einsatz von Social Media wird allgemein als relevant für die künftige Gestaltung der Unternehmenskommunikation angesehen. Den Ergebnissen der Studie zufolge werden Social Media in der Kommunikation als strategischer Bestandteil, etwa als weiterer Kanal im Medienmix, als Treiber für den Wandel in der gesellschaftlichen Kommunikationskultur oder als bedeutend für einen Paradigmenwechsel in der Unternehmenskommunikation eingeordnet.

Digital Democracy Study
Wie Parlamentarier in Europa soziale Medien im Rahmen der Politischen Kommunikation verwenden untersuchte eine Studie der Universität Düsseldorf und Ketchum Pleon (wir berichteten). Die Anteil der bloggenden und twitternden Parlamentarier beträgt mit 20%. Der aktive Teil (Nutzung mehr als drei Stunden pro Woche) davon beträgt widerum nur 30%. Einen größerern Anteil erfährt die Nutzung des Internets und sozialer Medien für die eigene Informationsrecherche. Demnach nutzen 76% der Befraten Online-Medien als Informationsquelle, 57 Prozent der Teilnehmer Newsletter und Webseiten und 45 Prozent Soziale Netzwerke.


Web 2.0 in der öffentlichen Verwaltung in Berlin und Brandenburg

Eine Befragung der Universität Potsdam unter den Städten, Bezirken, Gemeinden und Landkreisen in Berlin und Brandenburg im Auftrag des E-Government-Netzwerkes Amt24 hat ergeben, dass 84% von einer zunehmenden Bedeutung sozialer Medien ausgehen und dies bereits heute als wichtiges Thema ansehen (74%) (wir berichteten).

Nutzungsverhalten

Social Media Effects
Über 40 Prozent der Internetnutzer nutzen regelmäßig Social Media Angebote, jedoch nutzen fast ebenso viele Befragte derlei Angebote überhaupt nicht. Mit knapp 70 Prozent liegt der Anteil der Frauen dabei an den befragten Nutzern deutlich über dem der Männer. Dabei erweisen sich Social Media Nutzer als loyal: 33,8 Prozent sind mindestens täglich auf ihrer Lieblings-Plattform.

Twitter ein Nachrichten-Kanal
Da lediglich 22% der registrierten Twitter-Nutzer einander folgen, könne von einem sozialen Netzwerk keine Rede sein. Dies ist das Ergebnis einer Studie aus Korea (englisch). Vielmehr handele es sich um ein Nachrichten-Netzwerk (wir berichteten).


Werbeeffektivität in sozialen Medien

Eine Studie von Psychster Inc. und Allrecipes.com ging der Frage auf den Grund, welche Anzeigenformate in sozialen Netzwerken am effektivesten sind. Daraus geht unter anderem hervor, dass aktionsorientiert Werbeformate zwar eine stärkere Bindung ermöglichen, jedoch die klassichen Instrumente Banner und Newsletter-Links bei der Beeinflussung zur Kaufentscheidung derzeit noch effektiver sind (wir berichteten).

The Decline Of Web 2.0
Den Niedergang des Web2.0 beschreibt eine Erhebung von compete. Die teils deutlichen sinkenden Besucherzahlen von Diensten wie Delicious, Digg, Flickr, MySpace und Bebo dienen dafür als Anhaltspunkte. Im Ergebnis bedeutet diese den Hinweis auf die teils kurze Dauer von Trends.

Twitter Statistics for 2010
Eine Bestandsaufnahme der registrierten Twitter-Accounts durch sysomos hat ergeben, dass mittlerweile 21% aller Nutzer mindestens 100 anderen Accounts folgen. 90% der täglichen Aktivitäten kann auf 22,5% der Nutzer zurückgeführt werden. 80% der Nutzer hingegen haben nicht mehr als 500 Tweets versendet. Darüber hinaus werden weitere Daten zum Nutzungsverhalten erfasst.

Europäischer Social Media und E-Mail Monitor
Nutzer sozialer Medien wie Facebook oder Twitter nutzen diese häufig zur Informationsbeschaffung: 31%-50% stehen dabei der Marken- und Produktkommunikation offen gegenüber. Das Medium Email bleibt insbesondere für ältere Zielgruppen relevant. Junge Menschen unter 29 Jahren sind dahingegen gut über soziale Netzwerke zu erreichen. Der durchschnittliche Nutzer sozialer Medien ist Mitglied in zwei Netzwerken und hat 57 Freunde. Die weiteren Studienergebnisse geben Aufschluss darüber, wie Nutzer und Marken miteinander interagieren.

Digital Influence Index Studie
Wenn Verbraucher entscheiden, ob sie ein Produkt kaufen oder eine Dienstleistung in Anspruch nehmen, ist das Internet das mit Abstand wichtigste Medium für die Entscheidungsfindung. Dies ergibt der von Fleishman-Hillard und Harris Interactive vorgelegte Digital Influence Index.

Social Network Hierarchies and their Impact on Business
Die Nutzung von sozialen Netzwerken hängt sehr stark von einer alterabhängigen, stufenleiter-orientierten Hierachie der Nutzer ab, die sich mit dem Alter und Wissen verändert. Demnach gibt es für jedes Alter einen bestimmten Typus von sozialen Medien sowie eine entsprechende Hierarchieordnung von Social Netzwerk Nutzertypen.

PEW Internet: “Cash for Content Online”
65% der befragten Internetnutzer gaben an bereits für Online-Inhalte bezahlt zu haben. Unter anderem bezahlten 33% für Musik-Downloads, 33% für Software, 21% für mobile Applikationen, 19% für Online-Spiele, 18% für Zugang zu Zeitungen oder Magazinen sowie 16% für Videos, Filme oder TV-Shows. Durschnittlich gaben die Befragten 47$ monatliche für digitale Güter aus.

Twitter und Journalismus
Eine Befragung von Redaktionsleitern hat ergeben, dass zwar kaum eine Redaktion bei der Recherche und Eigenwerbung auf Twitter und andere soziale Medien verzichtet, jedoch nicht dafür ausgebildet wurden. Für den Umgang mit Twitter bilden sich in den Redaktionen zwar spezielle Regeln heraus, dennoch halten 60 Prozent der Redaktionsleiter die Kompetenz ihrer Mitarbeiter für stark verbesserungswürdig.

Digital Fundraising

Social Media Report 2010
Mit dem Social Media Report legt der Fundraising-Dienstleister Spendino eine Untersuchung über die Aktivitäten von 65 deutschen Nonprofit-Organisationen in sozialen Medien vor (wir berichteten). Organisationen aus der Kategorie Umwelt-, Natur- und Tierschutz führen bei der Social Media Nutzung. Ein Drittel aller Unterstützer in den sozialen Netzwerken teilen sich folgende Organisationen: Greenpeace Deutschland, WWF Deutschland und PETA Deutschland

BITKOM: Online-Spendenbereitschaft wächst
Die Relevanz digitaler Medien für das Spendenwesen in Deutschladn steigt. Demnach spenden bereits 10% der Bundesbürger online, weitere 10% per Telefon. Die Gesamt-Spendenbereitschaft ist auf 66% gestiegen.

The Online Giving Study
Die Online Giving Study bezieht sich auf den amerikanischen Spendenmarkt im Zeitraum 2003 bis 2009. Unter anderem belegt die Studie, dass die Spender häufiger und mehr geben, wenn sie über von der Organisation selbst gestaltete Internetseiten spenden als über Spendenportale. Während der Hochphasen des Spendens, also um Weihnachten und bei Katastrophen, sind Spender neuen und schnellen Wegen des Spendens (online/SMS) besonders aufgeschlossen.

Lesenswerte Leitfäden

Social Media Policies für Nonprofit-Organisationen
Brauchen Nonprofit-Organisationen ein Regelwerk zur Nutzung sozialer Medien und dem strategischen Online-Verhalten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern? Jona Hölderle und Jörg Eisfeld-Reschke beantworten diese Frage mit Ja. Gemeinsam haben sie ein eBook „Social Media Policies für Nonprofit-Organisationen“ geschrieben (wir berichteten). Das Buch ist bei ikosom erschienen und steht kostenfrei zum Download zur Verfügung.

Praxisleitfaden Social Media Monitoring
Bernhard Steimel, Christian Halemba und Tanya Dimitrova veröffentlichen den Praxisleitfaden Social Media Monitoring. In sieben Kapitalen beschreiben Sie umfassend und erschöpfend, wie das Social Media Monitoring funktioniert, optimiert werden kann und worauf es zu achten gilt. Einen hohen Nutzwert hat auch die Übersicht über Anbieter von Monitoring-Diensten.

BITKOM: Soziale Medien intelligent nutzen
Mit dem Leitfaden “Soziale Medien intelligent nutzen” stellt der Hightech-Verband BITKOM Unternehmen und Verbänden eine Handreichung zur Verfügung, um den Einstieg in das Monitoring und die aktive Nutzung sozialer Medien zu erleichtern.

Google Internet & Gesellschaft Collaboratory: „Innovationskultur in der digitalen Gesellschaft“
Basierend auf einer Befragung unter 530 Experten stellte das Google Co:llaboratory Positionen und Empfehlungen zusammen zu den Themenbereichen Internet Governance und Standardisierung, Datenschutz und Arbeitsumfeld, Medienkompetenz und Demokatie sowie Rechtsrahmen und geistiges Eigentum.

Google Internet & Gesellschaft Collaboratory: „Offene Staatskunst – bessere Politik durch Open Government“
In der zweiten Initiative des Google Co:llaboratory wurde der Bericht über “Offene Staatskunst – bessere Politik durch Open Government” veröffentlicht. Der Bericht gibt von der strategischen Perspektive des Einsatzes von Instrumenten des Open Government über Praxisbeispiele von ePartizipation bis hin zu Open Data einen guten Überblick unausgeschöpften Potentialen und dem tatsächlichen Realitätscheck.

Weitere interessante Studien

Next-Generation CIOs
Die Befragung von ca. 400 Managern aus Europa und Nordamerika gibt Aufschluss über das Bewusstsein der Führungskräfte für die Notwendigkeit von anderer Arbeits- und Unternehmensorganisation in einer online vernetzten Wissengesellschaft.

Future of the Internet IV
In der vierten Auflage der Future of the Internet-Studie wurden einige interessante Antworten auf die Frage gegeben, wie das Internet die Mensche Intelligenz verändert und auf welchen Wegen Informationen verarbeitet und geteilt werden.

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