Was passiert mit virtuellen Trauerseiten, wenn sie abgeschaltet werden?

Jörg hat vor kurzem eine Blogparade zum Thema „Social Media und Tod“ gestartet, als Reaktion auf einen Vortrag zum gleichen Thema bei der Social Media Week.

Beim Suchen von virtuellen Trauerseiten im Netz bin ich auf die deutsche Übersetzung eines Artikels aus dem Jahr 2003 gestossen, welches von Dr. Albert Benschop im Journal „Social & Behavioral Sciences“ am Sociology & Anthropology Institut der Universität im Amsterdam veröffentlicht wurde.

Dr. Benschop listet in diesem Artikel die folgenden virtuellen Trauerseiten auf (neben einer langen Liste an Usenet-Mailinglisten):

Von diesen sechs Seiten gibt es heute nur noch eine einzige – den Virtual Memorial Garden. Eine relativ schlechte Bilanz, wenn man sich überlegt, dass reale Trauerstätten über Hunderte, Tausende, teilweise Millionen von Jahren erhalten bleiben.

Die Frage ist, wann heutige Trauerplattformen wie I-will-remember oder My-send-off abgeschaltet werden, weil die Betreiber die Serverkosten nicht mehr bezahlen können oder wollen? Wäre es eigentlich daher nicht eine öffentliche oder zumindest gemeinnützige Aufgabe, eine virtuelle Trauerseite zu betreiben? Denn Friedhöfe sind ja in der Regel auch nicht privat betrieben, sondern werden vom Staat bzw. von der Kirche verwaltet. Und daran anschließend – wenn sich die Kirche modernisieren will, müsste sie nicht auch zum besten Anbieter von virtueller Trauer werden?

Die wenigsten virtuellen Trauerwebseiten können schlüssig erklären, wie sie eigentlich ihr eigenes Überleben sichern können. Wenn man bedenkt, dass ein großer Teil der Webseiten, die sich je im Netz befanden, schon verloren sind, dann möchte man doch der Menschheit zurufen, ihr kulturelles Gedächtnis, und dazu gehört die Trauer, nicht allein dem Web zu überlassen.

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