Kickstarter hat eine Milliarde erwirtschaft – was heißt das für Crowdfunding in Deutschland?

Kickstarter One Billion DollarsKickstarter hat heute auf seinem Blog berichtet, dass sie mittlerweile eine Milliarde über Crowdfunding eingenommen haben und abgesehen von der Provision und den Payment-Gebühren einen Großteil davon an die erfolgreichen Crowdfunding-Projekte ausgeschüttet haben. Was heißt das für die Crowdfunding-Szene in Deutschland und in Europa? Hier die wichtigsten Fragen:

1)      Sind eine Milliarde Dollar viel?

Ja und nein. Für den Crowdfunding-Sektor weltweit ist das Kickstarter-Ergebnis sehr gut. Es zeigt, wie schnell die Plattform wächst. Es zeigt auch, dass die Forbes-Voraussage des weltweiten Crowdfunding-Markts von sechs Milliarden Dollarn im Jahr 2015 realistisch, vielleicht sogar etwas zu vorsichtig geschätzt ist.

2)      Ist Kickstarter damit zum Monopolisten geworden?

Nein. Ein Monopolist kann die Preise auf dem Markt diktieren, weil die Kunden keine Auswahl mehr haben. Dem ist bei weitem nicht so: es gibt Hunderte von Plattformen in den USA, der Crowdinvesting-Markt wächst sehr stark, einige Crowdlending-Plattformen sind auf dem guten Weg, Kickstarter zu überholen. Auch im reward-based Crowdfunding ist Kickstarter nicht die einzige Plattform – es gibt zahlreiche andere reward-based Plattformen, die eine eigene Nische besetzen.

Aber viel wichtiger noch: mit Indiegogo gibt es eine ernstzunehmende Alternative. Viele Künstler und Kreative nutzen auch Indiegogo, wenn sie Angst haben, dass die strengen Kriterien für Kickstarter auf ihr Projekt nicht zutrifft, zum Beispiel wenn es einen politischen Charakter hat.

3)      Ist Kickstarter die größte Plattform weltweit und wird sie es bleiben?

Jein und nein. Jeder, der das behauptet, kann keine Zahlen als Backup festlegen. Indiegogo veröffentlicht zum Beispiel keine Zahlen. Es gibt nur Schätzungen, die zumindest zeigen, dass Kickstarter gegenüber Indiegogo zwar weniger Projekte in den USA hat, dafür aber international wesentlich mehr Projekte.

Ich bin mir sicher, dass Kickstarter weiter wachsen wird. Spannend aber bleibt zum Beispiel, welche Rolle Chinesische oder indische Plattformen in der Zukunft spielen werden. Ich bin mir auch sicher, dass die Crowdlending-Plattformen vollkommen unterschätzt werden –ihr Wachstum ist bei kaum einem Journalisten auf dem Schirm.

4)      Worin besteht der Erfolg von Kickstarter?

Aus meiner Sicht besteht der Erfolg von Kickstarter aus drei Komponenten:

a)      Das Design von Kickstarter ist sehr simpel und sehr einfach – dadurch war es auch visuell für viele Künstler und Kreative ansprechend. Sie fühlten sich dazu mehr hingezogen als zu Indiego, das etwas düster wirkt. Die Benutzerführung bei Kickstarter ist intiutiver als bei Indiegogo.

b)      Amazon als Investor hat die Marke Kickstarter massiv in den Markt gedrückt, viel investiert an Werbung und vor allem an personellen Ressourcen. Langfristig ist das Ziel von Amazon nicht nur als General-Shop zu agieren, sondern auch als General-Vorfinanzier von Produkten.

c)      Frühzeitig wurde von Künstlern entdeckt, dass Crowdfunding ein hervorragendes Marketing-Potenzial hat. Musiker wie Amanda Palmer oder Filmemacher wie Spike Lee versuchten mehr oder weniger erfolgreich, Crowdfunding zum Aufbau einer Fangemeinde zu nutzen. Kickstarter wird auch im Spielebereich zunehmend vor allem genutzt, um Nutzer zu erreichen, weniger um Spiele zu finanzieren.

 

5)      Wird Kickstarter Europa dominieren? Wird Kickstarter in Deutschland alle Plattformen wegfegen?

Nein und nein. Kickstarter ist in UK und in den Niederlanden gestartet. Der Erfolg ist bisher eher vernachlässigbar – die anderen Reward-based Plattformen in UK waren nicht sehr weit entwickelt und daher schaffte Kickstarter dort relativ schnell, im Markt einen gewissen Marktanteil zu erreichen.

In den Niederlanden sieht es ganz anders aus: die Crowdfunding-Landschaft ist dicht und innovativ. Bis jetzt nehme ich nicht wahr, dass Kickstarter dort massiv andere Plattformen kaputt macht.

In Deutschlang gibt es über 70 Plattformen, in Europa wahrscheinlich mehr als 500 Plattformen. Klar wird Kickstarter in Deutschland etwas verändern – es wird zu mehr Aufmerksamkeit für Crowdfunding kommen. Ob aber die Plattformen weniger werden, das würde ich arg bezweifeln.

 

6)      Ist Startnext sowas wie das deutsche Kickstarter?

Nein. Erstens ist Startnext kein Kickstarter-Klon, sondern die Plattform hat viele wesentliche Innovationen gemacht, welche spannend für die Crowdfunding-Szene sind. Als wichtigstes Element beispielsweise die Startphase, die Projektstarter zwingt, erstmal ihre Fans zu mobilisieren.

Obwohl Startnext eine sehr große Reward-Based Plattform ist, so ist ihr Erfolg im Vergleich zu Kickstarter noch sehr klein. Wenn man einfach nur die Bevölkerungszahl als Vergleich nimmt, dann müsste Startnext jetzt nicht im niedrigen Millionenbereich sein, sondern schon einige Hundert Millionen Euro umgesetzt haben.

Startnext ist als Plattform sehr innovativ, aber auch in Deutschland gibt es zahlreiche Alternativen, wie zum Beispiel Visionbakery. Es bilden sich auch ständig neue Plattformen, wie zum Beispiel vor kurzem Crowdfans in Berlin. Ich sehe auch hier eher, dass die Plattformlandschaft sich ausdifferenziert.

 

 

2 Kommentare

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    Pingback von Institut für Kommunikation in sozialen Med... am 5. März 2014 um 22:14

  2. […] Kickstarter hat eine Milliarde erwirtschaft – was heißt das für Crowdfunding in Deu… […]

    Pingback von Aktuelles 12. März 2014 am 12. März 2014 um 20:03

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