Ist Crowdfunding eine Option für gemeinnützige Organisationen?

Man könnte meinen, dass Crowdfunding für den gemeinnützigen Bereich unattraktiv ist. Zum einen fällt Mehrwertsteuer an, wenn die Unterstützer eine Gegenleistung in Form einer Prämie erhalten, wie es beim Crowdfunding üblich ist. Zum anderen kommt Crowdfunding aus dem Bereich der Schwarmfinanzierung, bei dem die Beiträge eher im Micropayment-Bereich angesiedelt sind.

Hier zeigen jedoch die Ergebnisse der Crowdfunding-Studie ein ganz anderes Bild: Der durchschnittliche Unterstützungsbeitrag liegt der Studie zufolge bei 79 Euro. Von Micropayment kann da keine Rede mehr sein. Für gemeinnützige Einrichtungen kann der Einsatz des Crowdfunding im Fundraising also durchaus eine Option sein.

Der Einsatz von Incentives im Fundraising ist gründlich erprobt und einige Studien belegen ihre positive Wirkung auf das Spendenverhalten: Menschen spenden mit Incentives eher und mehr. Der Einsatz von Prämien ist elementarer Bestandteil von Crowdfunding. Projektinitiatoren legen zu Beginn fest, für welche Beträge bestimmte Prämien angeboten werden. Potenzielle Unterstützer werden die Höhe ihres Beitrages auch daran festmachen, welche Prämien sie als Gegenleistung erhalten. Es kommt also bei der Konzeption darauf an, einzigartige Prämien zu entwickeln, die sowohl auf der ideellen als auch auf der monetären Ebene motivieren.

Musiker, die ein Album über Crowdfunding finanzieren, haben es einfach. Ihren Fans können sie beispielsweise eine Namensnennung im Booklet, eine signierte CD oder ein Wohnzimmerkonzert anbieten. Der finanziell größten Spende entspricht die wertvollste Prämie. Im karitativen Bereich gemeinnütziger Einrichtungen fehlen vergleichbare Prämien. Soll Crowdfunding jedoch dazu dienen, einzelne Umfeldprojekte zu finanzieren, wie zum Beispiel ein Sommerfest oder eine Dokumentation zum Vereinsjubiläum, ist die Entwicklung geeigneter Prämien kein Problem.

Die ersten deutschsprachigen Crowdfunding-Plattformen entstanden im Sommer 2010. Im ersten Jahr wurden laut ikosom 208.000 Euro erfolgreich umgesetzt. Drei Monate später waren es bereits 454.000 Euro. Die Bekanntheit von Crowdfunding als neuer Finanzierungsform nimmt aktuell deutlich zu und erhöht die Aufmerksamkeit potenzieller Unterstützer.
Crowdfunding wird sicherlich nicht andere Fundraising-Instrumente verdrängen. Vielmehr handelt es sich um eine Erweiterung der Fundraising-Palette, mit der neue Zielgruppen angesprochen werden können. Es besteht die Chance, Erstspender zu binden und mit Prämien an höhere Spendenbeträge heranzuführen. Das gilt vor allem für solche Spender, die nicht nur einer altruistischen Motivation folgen, wenn sie in ein Crowdfunding-Projekt investieren

Social Payment und Crowdfunding – eine Übersicht

Auf der Tagung „Besser Online“ des Deutschen Journalistenverbands in München habe ich gemeinsam mit Bernd Oswald einen Vortrag zum Thema „Micropayment, Crowdfunding, Social Payments“ gehalten. Der Vortrag  war sehr gut besucht und es gab viele sehr gute Nachfragen. Mein Vortrag baute auf einem ähnlichen Vortrag gemeinsam mit David Roethler bei der Start10. Im folgenden hier nun die Folien und dazu schriftliche Ergänzungen.

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Flattr und Kachingle – eine kritische Bestandsaufnahme des Marktes

Anlässlich der 6. Socialbar in Hannover entstand der nachfolgende Vortrag zum Thema Social Payment. Im Fokus steht die vergleichende Betrachtung der Dienste Flattr und Kachingle sowie eine kritische Bestandsaufnahme der relevanten Faktoren zur Marktentwicklung.

Es sei zunächst klar gestellt, dass es sich bei Social Payment um eine Form des Crowdfundings handelt und nicht um reines Micropayment. Mit Social Payment erfolgt eine freiwillige Finanzierung von Online-Inhalten, vergleichbar mit einer freiwilligen GEZ-Gebühr, die jedoch anders als die staatliche verordnete Rundfunkabgabe vom Konsumenten selbst an die Produzenten verteilt wird.

Der Vergleich der beiden Dienste Flattr und Kachingle erfolgte bereits im Beitrag „Ein Systemvergleich: Flattr und Kachingle“ und wird an der Stelle aktualisiert.

In den vergangenen Wochen ist die Diskussion über Socialpayment fortgeschritten und es ist an der Zeit, dass auch die Probleme und Hindernisse für den Erfolg der Dienste beleuchtet werden, wobei Probleme gerne synonym zu Herausforderungen verwendet wird. Es gibt drei Problem-Cluster, die im Folgenden beschrieben werden:

1.    Probleme des Marktes
2.    Probleme der Dienste
3.    Kulturelle Probleme

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Flattr und Kachingle – ein Systemvergleich

Obgleich sich die Diskussion über das Potential von Micropayment für Blogs in den großen Medien meist nur auf Flattr konzentriert (Spon, Morgenpost, Handelsblatt, Heise) gibt es derzeit zwei ernstzunehmende Dienste, die sich um einen raschen Markteintritt bemühen: Flattr und Kachingle. Zeit beide ersten einem groben Systemvergleich zu unterziehen.

Der Name

Flattr kommt von Flatrate, wie Peter Sunde in seinem Vortrag auf der re:publica erläuterte. Kachingle ist eine Mischung aus den Geräuschen Ka-ching! (wie eine alte Registerkasse) und Jingle (wie beim Schütteln eines Sacks voller Münzen).

Das Prinzip

In Youtube-Videos erläutern Flattr und Kachingle (eins und zwei) ihre grundlegenden Funktionsweisen. Leser bekunden mit einem Klick ihre (finanzielle) Unterstützung. Wesentlicher Unterschied der beiden Dienste ist die Reichweite der Unterstützung. Bei Kachingle wird der gesamte Blog unterstützt, wobei derzeit keine Unterscheidung in den Rubriken oder Autoren vorgesehen ist, ein einzelner Autor oder eine Rubrik quasi-institutionell unterstützt. Flattr hingegen zielt auf eine sehr kleinteilige Unterstützung ab, indem Blogbeiträge oder gar einzelne Leser-Kommentare – in jedem Fall aber einzelne Inhalte – „geflattert“ werden. Kachingle loggt hierfür die Anzahl der Besuche einer Internetseite (optional) und verteilt die Abosumme nach Anteil der besuchten Seiten. Flattr verteilt die Summe gleichmäßig auf die „geflatterten“ Inhalte, ohne Unterschied ob  eine Seite nur einmal oder häufiger besucht wurde. Continue reading „Flattr und Kachingle – ein Systemvergleich“

Micropayment in der deutschen Blogosphäre II

Seit Karsten vor gut zwei Wochen über Micropayment in der deutschen Blogosphäre geschrieben hat, hat die Diskussion in Blogs und auf Twitter an Fahrt aufgenommen. Während die Bitkom eine wachsende Zahlungsbereitschaft für Qualitätsjournalismus im Web feststellt und damit vor allem auf die Angebot von Verlagen zielt, bleibt die Frage ob sich diese Bereitschaft auch auf reine Online-Medien bezieht. Die Notwendigkeit neuer Wertschöpfungsketten für Inhalteproduzenten hat Ulrike Langer sehr gut herausgestellt. Die Weichen dafür werden jetzt gestellt.

Aktuell wird vor allem die Frage diskutiert, wie sich die Dienste in zweiseitigen-Märkten agieren können. Stefan Mey beschreibt das Dilemma recht treffend: „Nur wenn die Nutzergruppe 1 (Inhalte-Anbieter) groß genug ist, wird die Plattform für die Nutzergruppe 2 (Unterstützer) attraktiv- und umgekehrt.“ Continue reading „Micropayment in der deutschen Blogosphäre II“

Micropayment in der deutschen Blogosphäre: Kachingle

Das Ziel Crowdfunding für gute Internet-Inhalte möchte der Online-Dienst Kachingle ermöglichen. Vergleichbar ist der Ansatz mit einer freiwilligen GEZ-Zahlung, aber in diesem Fall bestimmt der Nutzer selbst, welche Inhalte Anteile erhalten und wie viel er zahlen möchte. Umfassende Diskussion über den Dienst wurde in deutschen Blogs beispielsweise bei Der Spiegelfechter und im Kulturmanagement Blog geführt.

Passend zur re:publica 2010 hat kachingle eine Liste deutschsprachiger Webseiten veröffentlicht, die Kachingle benutzen, darunter diverse Blogs, Online-Magazine wie Carta und dem Anatolien-Magazin oder Regionalblogs wie kielpod.de. Kachingle scheint damit aus der Experimentierphase herausgetreten zu sein  – es bleibt spannend zu sehen, wo Kachingle in Zukunft eingesetzt wird.

PS Mit Flatter bereitet sich ein Dienst ähnlichen Musters auf den Markteintritt vor.