Herausforderungen im Studiendesign: Befragung der Crowdfunding-Unterstützer

Im Frühjahr 2011 veröffentlichte ikosom die erste Crowdfunding-Studie für den deutschsprachigen Raum. Die Studie bestand einerseits aus der Analyse der Projektdaten der Crowdfunding-Plattformen und andererseits aus einer Befragung der Projektinitiatoren. Eine der in den Schlussfolgerungen aufgezeigten Forschungslücken ist die Motivationsanalyse der Crowdfunding-Unterstützer.

Aktuell besteht das Vorhaben diese Forschungslücke zu bearbeiten. Wir bündelten die Forschungsinteressen mehrere Studierender und entwickelten einen Fragebogen für eine empirische Erhebung. Gemäß unseres OpenScience-Ansatzes diskutierten wir den Fragebogenentwurf öffentlich im Blog und öffneten den Pretest für Interessierte.

Ziel ist es eine aussagekräftige Erhebung vorzunehmen, die Rückschlüsse auf die Motivations- und Entscheidungsfaktoren von Crowdfunding-Unterstützern zulässt. Angestrebt wird eine Repräsentativität der Befragung. Vor dem Hintergrund der positiven Marktentwicklung und deutlich gestiegenen Zahl der Crowdfunding-Unterstützer können wir nicht mit einer vergleichbar guten Rücklaufquote von über 25% rechnen, wie es bei der vergangenen Studie der Fall war.

Aktuelle Situation

Der Fragebogen wurde nach dem Pretest finalisiert und online umgesetzt. Die Crowdfunding-Plattformen wurden informiert und gebeten den Link zur Befragung im Rahmen eines Newsletters an die bei ihnen registrierten Crowdfunding-Unterstützer zu versenden. Passiert ist nichts.

Trotz Zusagen im Vorfeld und Erinnerung per Email haben die Crowdfunding-Plattformen den Hinweis auf die Befragung nicht versendet. ikosom-Mitarbeiter sind selbst als Unterstützer bei mehreren Plattformen registriert und haben keine Einladung erhalten. Zugleich können wir auf Seiten der Datenauswertung feststellen, dass der Fragebogen bislang nicht ausgefüllt wurde. Ärgerlich ist der unbegründete Nicht-Versand trotz vorheriger Zusagen. In einem Fall erhielten wir eine Absage, weil eine ähnliche Befragung bereits bei einem Teil der Crowdfunding-Unterstützer dieser Plattform durchgeführt wurde.

Im Ergebnis bedeutet dies, dass die Studie bis zur Datenerhebung vorbereitet ist, aber bislang nicht in die Umsetzung gelangt. Das Studiendesign baut auf die Kooperation mit den Plattform-Betreibern auf – selbstverständlich wurde ihnen der Zugriff auf die ihre Plattform betreffenden anonymisierten Datensätze angekündigt und eine vergleichende Einzelauswertung angeboten. In diesem Sinne eine Win-Win-Situation für Betreiber und Forschende.

Die Studierenden, mit denen wir die Befragung konzipiert haben, stehen mittlerweile unter Zeitdruck ihre Arbeiten abzuschließen. Die gemeinsame Auswertung der Befragung war ursprünglich für Ende April/Anfang Mai vorgesehen. Sie mussten das Vorgehen für ihre Abschlussarbeiten anpassen.

Einladung zur Diskussion und Entscheidung

Ziel ist es eine aussagekräftige Erhebung vorzunehmen, die Rückschlüsse auf die Motivations- und Entscheidungsfaktoren von Crowdfunding-Unterstützern zulässt. Das bisherige Kooperationsmodell mit den Plattform-Betreibern scheint in diesem Fall nicht zu funktionieren.

Es gibt nun mindestens zwei Möglichkeiten das Studiendesign anzupassen:

  1. Durchführung einer öffentlichen Ausschreibung zur Teilnahme
    Über unsere Social Media Kanäle, den Crowdfunding-Newsletter, unser Netzwerk und die Facebook-Gruppe zu Crowdfunding könnten wir die gemeinsame Reichweite nutzen um Unterstützer von Crowdfunding-Projekten anzusprechen. Fraglich ist, ob eine ausreichend hohe Repräsentativität in Bezug auf Größe und Zusammensetzung der Gruppe auf diesem Wege erreicht wird.
  2. Beschränkung auf die Plattform sellaband
    Es gibt die Zusage der auf Musik spezialisierten Crowdfunding/Fanfunding-Plattform sellaband den Fragebogen an die bei ihnen registrierten Unterstützer zu versenden. Zu diesem Zweck wurde der Fragebogen auf englisch übersetzt, da sellaband eine Plattform mit internationaler Ausrichtung ist und der Großteil der Unterstützer auf der englischsprachigen Sprachversion registriert ist. Fraglich ist, welche Aussagekraft für den deutschsprachigen Markt von dieser internationalen Befragung ausgeht.

Welche Vorgehensweise schätzt ihr als am meisten zielführend ein? Gibt es weitere Vorschläge? Oder welche weiteren Informationen benötigt ihr um eine Einschätzung abgeben zu können?

2 Replies

  • Einfach nur so?! Nur weil wir Aufwand hatten ist für mich noch kein relevantes Argument – es geht schließlich um die Qualität einer Studie. Welche Kriterien würdest Du an die Repräsentativität einer öffentlichen Ausschreibung anlegen?

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