Kann man ePartizipation lehren und lernen?

Im Rahmen unterschiedlicher Projekte (z.B. mit youthpart und dem Deutsch-Französischen Jugendwerk) untersucht ikosom die Gelingensbedingungen und Voraussetzungen für ePartizipations-Projekte. In Gesprächen mit den Akteuren stellen wir fest, dass es vielfältige Anforderungen an die Begleiter solcher Projekte gibt. Bislang fehlt es allerdings an einer systematischen Aufbereitung, welche Grundlage für die Entwicklung von Lehrgängen und Lernmaterial sein könnte.

Wir haben vor in diesem Jahr einen Lehrgang zu entwickeln, der Fachkräfte in die Lage versetzt ePartizipations-Projekte zu konzipieren und zu begleiten.

Bereits im Januar diskutierten wir im Rahmen der Berliner Allianz für ePartizipation einige Ansätze für ein solches Vorhaben. Die Gespräche haben uns darin bestärkt, dass ein Fortbildungsbedarf besteht. Als Zielgruppen des Angebots sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Verbänden, Trägern der Bildungsarbeit und der Verwaltung identifiziert.

Eine Frage der Rolle

ePartizipations-Projekte sind komplex. An der erfolgreichen Umsetzung sind mehrere Menschen beteiligt und nehmen unterschiedliche Rollen wahr. Diese sind mit verschiedenen Tätigkeiten und Voraussetzungen verbunden. Daraus ergeben sich ein rollenspezifischer Fortbildungsbedarf.

  • Organisatoren
    Als konzeptionelle Entwickler und Leiter eines ePartizipations-Projektes halten sie alle Fäden zusammen. Hierfür ist es notwendig, dass sie die Grunsätze und Mechanismen von Beteiligungsarbeit verinnerlicht haben, das technische Grundverständnis mitbringen und als Mittler zwischen allen Beteiligten Rollen agieren.
  • (freiwillige) Moderatoren
    Moderationstätigkeiten werden häufig durch Personen sichergestellt, die nur diesen operativen Beitrag im Projekt leisten. Ihre Aufgabe setzt voraus, dass sie sowohl technisch als auch sozial in der Lage sind eine Moderation auszuüben.
  • Technische Diensleister
    Gute technische Diensleister schränken ihren Beitrag bei ePartizipations-Projekten nicht auf das Abarbeiten eines Anforderungskatalogs ein, sondern bringen ihre Kenntnisse und Erfahrungen auch konzeptionelle ein. Eine Grundverständnis von Beteiligungsarbeit ist hier unabdingbar – denn eine ePartizipations-Projekt ist mehr als eine einfache Internetseite.
  • (aktive) Teilnehmer
    Noch haben die wenigsten Bürger bereits Erfahrungen mit der Beteiligung an ePartizipations-Projekten sammeln können. Auch für die Teilnehmer von ePartizipations-Projekten braucht es ein Bildungskonzept, welches ihnen einen möglichst niedrigschwelligen Einstieg ermöglicht.

Im Rahmen der Allianz für ePartizipation wurde darüber nachgedacht, ob Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung eine weitere Zielgruppe darstellen. Im Ergebnis stellten wir fest, dass es die Aufgabe der Organisatoren ist, die Entscheidungsträger in angemessener Weise einzubinden u0nd zu informieren.

Eine Frage der Inhalte

Wir sind aktuell noch nicht soweit, dass wir ein Curriculum für einen Lehrgang zur Diskussion stellen können. Klar ist jedoch, dass der Lernprozess mindestens auf den drei Ebenen Wissen, Fähigkeiten un Fertigkeiten Lernprozesse stattfinden müssen.

In den kommenden Wochen werden wir Informationen über themennahe Lehrgänge und Lernangebote zusammentragen. Unserer Kenntnis nach gibt es weder im deutsch- noch im englischsprachigen Raum explizite ePartizipations-Lehrgänge. Wir hoffen jedoch bei der Recherche gute Ansätze und mögliche Partner zu identifizieren. Über Kommentare und Hinweise würden wir uns freuen.

Eine Frage des Formats

Alle bisherigen Diskussionen kamen zu dem Ergebnis, dass ein Lehrgang für ePartizipation zwingend synchron und asynchron stattfinden muss. Denkbar sind Aufgabenpakete, die alleine und in Gruppen bearbeitet werden – online und offline. Der gemeinsame Diskussionsprozess zwischen den Lernenden und Experten könnte mit einigen zentralen und dezentralen Elementen gesteuert werden.

Gerade digitale Instrumente kann man nicht durch das Anschauen lernen, sie müssen ausprobiert werden um ihre Bedeutung und Funktion in ePartizpations-Projekten einschätzen zu können. Insofern sind praktische Übungen von zentraler Bedeutung für den Transfer in die Projektarbeit.

Ankündigung eines Workshops

Im nächsten Schritt führen wir im Februar einen Workshop mit Interessierten durch, die mit uns über Inhalte und Format eines Lehrgangs für Fachkräften zu ePartizipation diskutieren.

In den Workshop gehen wir aktuell mit den folgenden Fragen:
+ Wie könnte das Lernformat Online-/Offline-Didaktik verbinden?
+ Welche Methoden braucht ein solches Bildungskonzept?
+ Welche Inhalte müssten im Curriculum bearbeitet werden?
+ Welche Inhalte sind für welche Teilnehmergruppen fakultativ?
+ Welcher Aufwand ist für die Teilnehmer mit dem Lehrgang verbunden?
+ Ob und in welcher Form sollte eine Lernerfolgskontrolle stattfinden?

Bei Interesse am Workshop senden Sie bitte eine Email an eisfeld-reschke(a)ikosom.de für weitere Informationen.

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3 Kommentare

  1. [...] Vorfeld unseres Workshops am 19.02. zu ePartizipations-Lehrgängen und Ausbildungen (Blogeintrag vom 5.02.) hat ikosom Informationen zu themennahen Angeboten zusammengetragen. In der Recherche wollen wir [...]

    Pingback von Institut für Kommunikation in sozialen Medien » Fortbildungslücke ePartizipation? am 18. Februar 2013 um 09:30

  2. [...] bei einem Workshop zur Entwicklung einer Fortbildung zur ePartizipation, angeregt von der Berliner Allianz für [...]

    Pingback von IJAB | „youthpart“: Multilaterales Kooperationsprojekt zur ePartizipation startet | Projektwiese am 20. Februar 2013 um 09:52

  3. [...] In der ersten Diskussion wurde herausgestellt, dass es je nach Zielgruppen und Rolle auch einen unterschiedlichen Fortbildungsbedarf gibt und die erforderlichen Inhalte unterschiedliche sind. Der Organisator/die Organisatorin übernimmt beispielsweise die Konzeption und Gesamtleitung. Diese Rolle erfordert es, die Grundsätze und Mechanismen von Beteiligungsarbeit zu verinnerlichen, ein technisches Grundverständnis mitzubringen und zwischen allen Beteiligten zu vermitteln. Etwas anders ist es auf bei technischen Dienstleistern. Bei ihnen ist erforderlich, dass sie sich nicht auf das Abarbeiten eines Anforderungskatalogs beschränken, sondern sich auch konzeptionell mit Kenntnissen und Erfahrungen einbringen können. So ist es auch auf der Ebene der technischen Dienstleister ein Grundverständnis von Beteiligungsarbeit unabdingbar. Auch auf der Verwaltungsebene konnte ein Fortbildungsbedarf festgestellt werden. Dieser unterschiedet sich allerdings stark von denen der anderen Rollen. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass es auch eine informierte und kompetente Verwaltung braucht, damit ePartizipations-Projekte überhaupt umsetzen werden können. Eine Unterscheidung der Rollen bei ePartizipations-Projekten ist im ikosom-Blog zu finden. [...]

    Pingback von Institut für Kommunikation in sozialen Medien » Workshop zu “Fortbildungsbedarf ePartizipation” am 1. März 2013 um 16:05

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