Der Erfolg von taz-zahl-ich – ein Vorbild für die gesamte Branche?

tzi_uebersicht_2013.pdf-Seite-1-von-2Die taz hat eine gute Nachricht:

Nach der Rekordsumme von 10.939,42 Euro im Dezember legten die NutzerInnen im Januar noch einmal etwas drauf und ließen der taz insgesamt 12.209,45 Euro zukommen – 1.270,03 Euro mehr als im Rekordmonat zuvor.

Interessant finde ich an den Grafiken:

  • Seit der Einführung der „freiwilligen“ Bezahlschranke sind alle Einnahmen nach oben gegangen, aber stagnieren zum Teil auf einem höheren Niveau.
  • Die Flattr-Einnahmen stagnieren auf dem Niveau bzw. gehen leicht zurück.
  • Vor allem Direktüberweisungen und taz-zahl-ich-Abos tragen zum Wachstum der Einnahmen insgesamt bei.

Aus historischer Sicht betrachtet, scheint damit die Frage, welches Social-Payment-Modell sich langfristig durchsetzt, entschieden: die inviduelle Bezahlung pro Artikel per flattr war eine spannende Lösung für die digital Natives. Aber das Gespür von kachingle, eine Abolösung einzuführen, war grundsätzlich richtig. Das Problem ist nur, dass die taz nie Kachingle als Anbieter eingesetzt hat, sondern lieber die Funktionalität selber programmiert hat, um die Daten der Nutzer behalten.

Was heißt das für den Rest der Zeitungsbranche?

  1. Bezahlschranken funktionieren, wenn sie freiwillig sind. Die taz schreibst selbst:

    Die (wenigen) Beschwerden, die wir wegen der Einblendung des “Pay-Wahl”-Banners bekommen, können wir zwar verstehen, finden aber nach wie vor, dass ein einziger Klick auf “Nein” nicht zuviel Belästigung ist.

  2. Die Leser will eine Auswahl an Überweisungsmethoden, von klassisch bis modern. Wer sich nur auf Paypal versteift, hat keine Chance.
  3. Die Leser wollen nicht nur einzelne Artikel unterstützen, sondern das Werk einer gesamten Redaktion.

Alles Dinge, die Hoffnung machen für guten Journalismus, oder?

4 Replies

  • Wir haben einen Special Interest – kein Thema. ABER: Wir haben bereits bei unserem Schritt „ins Internet“ 1995 – als wir in Deutschland zu den ersten 100 kommerziellen Servern gehörten und die meisten Internet nicht von intershop unterscheiden konnten – eine „paywall“ errichtet.

    Gute Information, guter Service – alles, was auf der Arbeit menschlicher Wesen basiert… das lässt sich dauerhaft nicht durch Werbung und meiner Meinung nach auch nicht durch freiwillige „Bezahlschranken“ finanzieren.

    Und ich kann nach 27 Jahren gedruckter Zeitung und nun bald 18 Jahren Online und einem härter und breiter gewordenem Wettbewerb voller Überzeugung sagen: Biete einen „Wert“ und kein ernsthafter Nutzer des Internet hat ein Problem damit, für diesen Wert dauerhaft zu zahlen. Das „predige“ ich seit bald 18 Jahren bei Verlegertreffen und immer wieder auch mal der taz als Genosse. Vor 10 Jahren wurde mein Vorschlag, taz.de im monatlichen Abo anzubieten für einen bezahlbaren, also niedrigschwelligen Preis, noch als völlig unmöglich und im Internet einfach nicht durchsetzbaren Vorschlag abgelehnt. Das wäre aber damals genauso „gegangen“ wie heute – wie ich ja damals wie heute aus eigener Erfahrung weiss. Jetzt ist es noch die „freiwillige paywall“ – ich hoffe, es dauert nicht nochmal so lange, bis bei der taz klar wird: Freiwillig funktioniert nicht in dem erforderlichen Umfang wie es für die Sicherstellung von guter Information und gutem Service notwendig ist. Denn – da ist kein Unterschied im Wert zwischen meiner Zeitung und der taz – die taz ist ein special interest Titel. Special deshalb, weil dort immer noch in der Mehrheit die Information ist, die man woanders in dieser Form nicht findet. Das regelmässig „gezwungen“ zu zahlen – davon gibt es mehr als die derzeitigen 12.000,- Umsatz im Monat.

  • Daß eine freiwillige Bezahlschranke bei der taz gut funktioniert (wobei man auch über »gut« nochmal reden müßte, von 12.000 Euro im Monat kann man auch nach taz-Verhältnissen nicht viele Redakteure bezahlen), heißt nicht, daß für die gesamte Zeitungsbranche »Bezahlschranken funktionieren, wenn sie freiwillig sind«. Die taz hat schon immer mit der Bitte um Spenden und Soli-Abos gearbeitet, die Leserschaft spricht – These – darauf besser an als die anderer Titel. Für den größeren Erfolg steht doch wohl weiterhin das Modell der »New York Times«.

    Die Schlußfolgerungen kommen außerdem arg früh. Die freiwillige Paywall der taz ist noch in der Einführungsphase, es ist nicht auszuschließen, daß in einem halben Jahr die monatlichen Einnahmen darüber wieder stark gesunken sind.

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