Listicles – Sind Seiten wie Buzzfeed, Cracked und StupidStation die Zukunft des Journalismus?

trendbloggerlogoAuf unserem Projekt „DieTrendblogger“ wurden in diesem Monat das Thema „Listicles“ diskutiert. Die Gründe dazu hatte ich hier schon mal erläutert. Die Trendblogger, die gerade in der ganzen Welt von Australien über Südamerika bis nach Kalifornien verteilt sind, haben spannende Artikel dazu geschrieben. Hier eine kleine Auswahl:

Cornelius Witt schreibt über den Erfolg von Buzzfeed bei der exklusiven Berichterstattung:

Zuletzt sorgte eine Meldung für viel Aufsehen, wonach Glenn Greenwald, Enthüllungsjournalist beim Guardian, das britische Traditionsblatt verlässt. Greenwald wurde vor allem durch die Zusammenarbeit mit Edward Snowden und den Publikationen zum NSA Skandal bekannt. Die Nachricht seines Wechsels gab weder sein bisheriger Arbeitgeber, noch ein anderer konventioneller Verlag bekannt: buzzfeed.com berichtete exklusiv und an aller erster Stelle von Greenwald’s Karriereschritt.

Spätestens seit dieser Exklusivstory scheint sich Buzzfeed einen Namen als ernst zu nehmende Konkurrenz in der amerikanischen Medienlandschaft gemacht zu haben. Viele Nachrichtendienste in den USA sehen das ähnlich. Die abc-Nachrichtensendung Nightline hat BuzzFeed zum „König des Internet“ gekürt. Auch USA Today Kolumnist Rem Rieder misst der Seite einen hohen Stellenwert bei und sieht in Buzzfeed die Zukunft des investigativen Journalismus. Vom Wall Street Journal bis zur New York Times, die meisten großen US Medien sehen die Entwicklung der rasend-schnell wachsenden Seite gleichermaßen mit Begeisterung oder Respekt.

Leonard Fried erkärt, warum es bisher kaum eigene Listicles-Anbieter in Portugal gibt:

1) Portugal ist ein relativ kleines Land, mit etwas mehr als zehn Millionen Einwohnern, und somit auch ein kleiner Markt. Dagegen spricht, dass in den nicht viel größeren Niederlanden (16 Millionen Einwohner) mit upcoming.nl gerade ein Buzzfeed-Klon an den Start gegangen ist, wie meine Trendblogger-Kollegin Jana Hannemann berichtet.

2) Die Portugiesen sprechen gut Englisch und nutzen einfach das orginale Buzzfeed. Diese These scheint mir eher zuzutreffen. Gerade junge Menschen – die potenziellen Besucher solcher Seiten – beherrschen die Sprache, und mein Facebook-Newsfeed zeigt ebenfalls, dass das englische Buzzfeed bei den Portugiesen populär ist.

3) Die Portugiesen nutzen Angebote aus Brasilien, wie top10mais.org und lista10.org. Dazu kommt, dass Buzzfeed vor kurzem eine brasilianische Version gestartet hat. Die nutzen die Portugiesen jetzt einfach mit.

Isabel Lerch hat einen richtig tollen Podcast gemacht, warum Listicles so schlimm sind:

„…so seicht wie Hintergrundmusik…“

Christian Simon versucht eine differenzierte Bewertung von Listicles:

Bleibt nun die Frage, ob Listicles mehr sein könnten als bessere Witze, mit denen man ernsthafte Artikel verpackt. Denn demokratisch relevanten Journalismus bietet diese entertainisierte Darstellungsform bisher nicht. Wie praktikabel wären „Die 10 besten Snowden-Enthüllungen“, „7 Fukushima-Folgen die Sie gesehen haben müssen“ oder die „21 absolut süßesten Assad-Schnappschüsse“? Kann man ernsthaften Journalismus in Listenform packen? Kann man demokratische Prozesse buzzfeeden, und damit Leser gewinnen, die sich nie dafür interessiert hätten? Ist eine Symbiose zwischen dieser Art Unterhaltung und Information möglich, oder schließen sie sich gegenseitig aus?

Nicole Sengl beschreibt, wie man mit Buzzfeed für ein lokales Geschäft Werbung macht:

Wann wurde der Werbebanner zum ersten Mal genutzt und hat sich daraus schon eine Entwicklung gezeigt?
Die Werbung haben wir seit ca. zwei Monaten geschaltet. Wir haben einen deutlichen Besucherandrang wegen des Buzzfeed-Rankings in unserem Laden bemerkt. Da war dieser eine amerikanische Tourist, der letzten Sommer hier war – er wurde von seinen Freunden angerufen und ihm wurde mitgeteilt, dass dieser Laden auf der Liste ist und er hingehen soll. Und so läuft die Werbung von selbst.

Wie sind Sie auf das Ranking gekommen?
Es ist immer derselbe Ablauf. Eine Autorin von Buzzfeed hat einen Termin mit uns ausgemacht und hat ein Interview geführt. Danach hat sie noch einige Fotos von unsere Laden geschossen und das war’s auch schon. Dann waren wir im Ranking. Wir hoffen natürlich darauf wenn wir einmal im Ranking sind, dass wir in ein neues Ranking rutschen.

Jana Hannemann stellt Upcoming vor, die niederländische Version von Buzzfeed und fragt, ob die Listicles die Zukunft des Journalismus darstellen:

In my opinion, the industry is changing but definitely not dying. The challenges lay in making online translations, with focus on social media and the fact that people consume news in a different way. Add the fact that young blood needs to have a bigger part in the industry, because the internet natives of today can lead the way

Christian Simon stellt Storyfilter vor:

Allem Spott zum Trotz kann jedes neue Experiment dem Journalismus nur gut tun. Zugegebenermaßen fehlt aber auch mir bei Storyfilter ein wenig der Kick – Vielleicht bin ich als jemand, der sich kaum für Boulevardthemen interessiert, auch nicht die Zielgruppe. Ich empfinde die schon sprichwörtlichen Katzenvideos zwischen den relevanten Inhalten eher als nervig. Trotzdem: Mit ein paar Veränderungen, vielleicht einer Ressortstruktur und einem stetig wachsenden Pool an Kuratoren, könnte Storyfilter ein interessanter Wegweiser durch den Webdschungel werden. Die Zeit wird es zeigen.

Hannah Ziegler stellt die Zusammenarbeit von Buzzfeed und Duolingo vor:

BuzzFeed und Duolingo sind bei ihrem Plan zukünftig zusammenzuarbeiten natürlich einzig und allein am intellektuellen Reifen aller Menschen dieses Planeten interessiert. The Wall Street Journal berichtete erst kürzlich, dass laut dem Gründer der App Duolingo, Luis von Ahn, das Projekt als ein Entgegenwirken der ansonsten in „wasted work“ investierten Energie der Sprachschüler zu verstehen sei; frei nach dem Motto „human computation“. Oder aber auch: Die günstige und schnelle Möglichkeit, mittels Crowd-Übersetzung englische Texte – mit wenig Inhalt und Tiefe – für alle Welt als lesbar zu gestalten.

Hengame Yaghoobifarah schreibt darüber, warum Katzenfans Listicles lieben müssen:

Bestenfalls werden sie von fabulösen Bildern, GIFs oder aber Videos begleitet, die teilweise besser als der Text selbst sind… (Oft mit Katzen.)

Lucas Rex diskutiert, wie weit es noch geht mit den Listicles:

Doch was BuzzFeed unter Nachrichten versteht ist teilweise haarsträubend. So wird z.B. über den gestrigen verherenden Wirbelsturm in Indien unter dem Titel „20 Heartbreaking Images Of Cyclone Phailin’s Destruction In India“ berichtet. Sheera Frenkel, eine der neuen RedakteurInnen sagt, “there’s an appetite for foreign reporting among BuzzFeed’s socially engaged audience”, aber liegt da nicht gerade das Problem? Kann man sachliche Berichterstattung erwarten, wenn das Ziel ist, den Appetit der LeserInnen zu stillen? Was passiert mit Themen, die unsexy und unfotogen sind, die keine Rekorde brechen und nicht zum knuddeln sind?

Und zuguter letzt hatte mein Kollege Wolfgang Gumpelmaier erklärt, wie man Listenblogger wird.

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