Beyond Journalism: Was Journalisten lernen müssen

Timo Stoppacher hat vor einigen Tagen eine Blogparade zum Thema „Was Journalisten lernen müssen“ gestartet. Daran will ich mich in aller Kürze beteiligen.

  1. Über den journalistischen Tellerand hinausschauen

    Ich hab das in einem Beitrag zur Buchvorstellung „Journalismus in der digitalen Moderne“ so umschrieben:

    Die Rolle des Gatekeepings, des Bewertens und Kuratieren von Informationen übernehmen immer stärker Einzelpersonen, weniger Medienorganisationen.

    Informationen bewerten, recherchieren, aufbereiten war in der Geschichte des Journalismus immer ein kollaborativer Prozess. Das ist es auch nach wie vor, allerdings benötigt es nicht mehr die institutionellen Rahmenbedingungen der Redaktionssitzung. Kollaborativer Journalismus kann über Zeit- und Ortsgrenzen hindurch funktionieren und dabei sogar besser funktionieren. Gatekeeping und das Kuratieren von Informationen sind nicht an das Medium (z.B. Print, TV) gebunden – und erst recht nicht an ein Geschäftsmodell.

    Für mich heißt das, dass Journalisten sich nicht abgrenzen müssen von anderen Personen, die Medien nutzen, sondern die Zusammenarbeit suchen müssen.

  2. Storifying als Tool, aber auch als Philosophie verstehen

    Mit den Trendbloggern haben wir eine Reihe an Social Media Storytelling Tools vorgestellt, darunter Kweeper, Pearltrees und Mlkshk -die wahrscheinlich in Deutschland gar nicht so viele Journalisten kennen. Aber wenn man sich die Liste beeindruckender Multimedia-Formate, die in letzter Zeit in Medienhäusern entstanden ist, anschaut, dann zeigt sich doch, dass weniger die Technik, sondern mehr die Kreativität von Redaktionen, Themen aufzubereiten und in Multimedia-Formatten umzusetzen, die größte Hürde ist. Insofern solten angehende Journalisten natürlich Storifying-Tools kennen, aber auch ihren Einsatz rechtfertigen können.

  3. „Journalisten als Marke“ nicht zum Allgemeinplatz machen

    Gestern bei der 5 Jahres Feier von Carta wurde mehr als einmal über die Frage diskutiert, wie sich Medienmarken und Journalisten auch selbst inszenieren müssen. Carta ist nach wie vor stark geprägt von dem Netzwerk von Robin Meyer-Lucht, aber auch natürlich von einer Vielzahl an neuen Autoren, die ihre Reputation der Medienmarke Carta leihen – und auch anderes herum sich Reputation von Carta leihen.

    Journalisten sollten also weniger lernen, wie man sich selbst als Marke profiliert, sondern wie man unterschiedliche Formen der Medienmarken zusammenführt. Mein Kollege Julian Heck macht das sehr gut, aber auch die sehr geschätzte Ulrike Langer – einerseits als Einzelpersonen erkennbar bleiben, andererseits mit vielen etablierten Medien eng zusammen arbeiten, und darüberhinaus eigene Blogs wie Lokalblogger als Marke aufbauen.

  4. Eine Liste ist nicht weniger journalistisch als ein 5000-Zeichen Essay

    Bei den Trendbloggern haben wir über Listicles gesprochen. Bei vielen Journalisten sind solche Formen des Journalismus doch eher verpönt – manche schreiben lieber eine dreiseitige Reportage in der ZEIT als die 50 schönsten Katzenbilder zusammenzustellen. Aber wer das Format so einseitig sieht, der versteht nicht, dass sich hier eine Welt des Journalismus auftaut, die bisher kaum entdeckt wurde. Natürlich wird es immer wieder Leute geben, die Listicles doof finden oder Listicles supertoll finden, aber wie mein Kollege Christian Simon schreibt, kann das Format sowohl für jede Menge Quatsch als auch für spannende Fragen herhalten.

  5. Crowdfunding und Social Payments genauso verstehen wie das Abrechnungssystem der VG Wort

    Wer als Journalist unterwegs ist, kommt um das Thema Crowdfunding nicht herum, sowohl als als Finanzierungsform, aber auch als Mittel der Publikumseinbindung. Natürlich wird es auch immer stärker dazu dienen, langfristige Projekte und nicht nur einzelne Recherchevorhaben zu finanzieren. Wer also heutzutage sich mit dem Thema Geschäftsmodelle im Journalismus beschäftigt, sollte nicht nur abstrakt was von Social Payments und Crowdfundig verstehen, sondern diese eben auch aktiv einsetzen.

Als Fazit: man muss wahrscheinlich als Journalist weit über das hinausdenken, was Journalisten so machen, selbst digitale. Das ist vor allem eine innere Einstellung und weniger ein Satz an Fertigkeiten.

Weitere Beiträge aus der Blogparade: Christiane Brandes-Visbeck, Karsten Lohmeyer, Charly and Friends, Peter Welchering, Franz Neumeier, Sandra Sperber, Marcus Schoft, Heiko Kunzmann, Alexandra Stark, Sabine Olschner, Patrick Wiermer, Andreas Grieß, Kevin Knitterscheidt, Knut Knuckel, Udo Stiehl, Bettina Blass.

Ein Kommentar

  1. Hallo Herr Wenzlaff,

    danke für den interessanten Beitrag.

    Viele Grüße

    Timo Stoppacher

    Kommentar von Timo Stoppacher am 15. Dezember 2013 um 15:53

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