Crowdfunding-Artikel im Rahmen der „10 trends in open innovation“

Das Aluminportal Deutschland hat im Auftrag der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit 10 innovations eine neue Webseite gelauncht, auf der in den kommenden Wochen 10 Trends zum Thema Open Innovation vorgestellt werden sollen.

Der erste Artikel ging vor rund zwei Wochen online und hat sich mit „Technology Hubs“ beschäftigt. Nun wurde auch der zweite, von uns verfasste, Beitrag veröffentlicht: Crowdfunding – What‘s in it for development aid?

In diesem Gastartikel beschäftigen wir uns mit dem Status Quo, den Chancen und Herausforderungen des Einsatzes von Crowdfunding in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.

Dabei dreht sich in Kapitel 1 alles um die Geschichte des Crowdfundings, in Kapitel 2 erklären wir die unterschiedlichen Arten von Crowdfunding und fahren in Kapitel 3 mit einer Übersicht der unterschiedlichen Crowdfunding-Plattformen und deren Vorteile fort. Kapitel 4 widmet sich dem Potenzial von Crowdfunding, in Kapitel 5 geben wir dann konkrete Beispiele für den Einsatz von Crowdfunding im Bereich der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit. In Kapitel 6 ziehen wir schließlich unser Fazit und weisen noch einmal auf die Vorteile, aber auch Herausforderungen von Crowdfunding für Organisationen im Umfeld der IZ hin.

Alle zehn Artikel werden zudem auch in einer Print-Version erscheinen. Bis dahin wünschen wir euch eine hoffentlich interessante Lektüre unseres Artikels „Crowdfunding – What‘s in it for development aid?“ und empfehlen euch zusätzlich das komplette Interview mit Khadi-Bag-Gründer Dave Balzer, das in unserem Gastbeitrag zitiert wird.

Social Media for Global Good (@BillGates we got to reschedule #impatientoptimists)

Die Bill and Melinda Gates Foundation kündigte vor kurzem an, dass sie das Impatient Optimists Netzwerk nun um ein deutsches Chapter erweitern möchten. Hierzu werden insbesonder eDigitale Pioniere ihre (Reichweite und) Ideen zu teilen, wie man mit Social Media und Digitalen Instrumenten die Themen Globale Entwicklung und Gesundheit vorantreiben kann.

Deutschland müsse eine führende Rolle in der Entwicklungspolitik einnehmen, so Bill Gates. Ob wir das nicht grundsätzlich ohnehin schon tun, das sei dahingestellt, aber was digitale Innovationen in der Entwicklungszusammenarbeit angeht, da gibt es ohne Zweifel noch einiges zu tun.

Ad hoc fallen mir vier Ansätze ein, die sich für eine nähere Betrachtung lohnen:

  • Pandemie Mapping
    Seuchen und hochansteckende Krankheiten können sich angesichts der hohen interkontinentalen Mobilität schnell verbreiten. Die anonymisierten und aggregierten Daten (Auftreten bestimmter Krankheiten/Symptome) von Ärzten und Krankenhäusern weltweit könnte dazu beitragen Pandemien frühzeitig zu entdecken und einzudämmen.
  • Depression Detecting
    Einigen Studien zufolge zeigt das Mediennutzungsverhalten depressiver Menschen einige Auffälligkeiten, die sie innerhalb von großen Datenmengen identifizierbar und somit ansprechbar für etwaige Hilfsangebote machen. Hier gibt es noch einigen Forschungsbedarf zur Validierung und einiges an konzeptionellen Hürden, wie Hilfsmaßnahmen angemessen angeboten werden können.
  • Tools for Crisis Coping
    In Katastrophenfällen wir aktuell nach dem Taifun auf den Philippinen, können digitale Instrumente dabei helfen Informationen zu sammeln, aufzubereiten und somit den Notleidenden und den Hilfsorganisationen einen tatstächlichen Mehrwert schaffen. Einige Instrumente wie die Google Crisis Map sind relativ schnell einsatzbereit, jedoch verfügen sie in der Regel kaum über Angebote, wie Freiwillige weltweit bei der Überprüfung und Einordnung von digital vorliegenden Informationen unterstützen können. Dieses enorme Potential an Zeitspenden wird nicht abgerufen.
  • Diaspora Crowdfunding
    Zum Leben in der Diaspora gehört für viele Menschen, dass sie ihre Familien in der Heimat finanziell unterstützen. Für eine geordnete Entwicklungspolitik wäre es wünschenswert die privaten Mitteln mit staatlichen Fördermittel zu aggregieren, indem Elemente des Crowdfunding (zB Vorstellung von Projekten, Auswahl durch die Crowd, Matching mit staatlichen Fördermitteln) zum Tragen kommen.

Diesen Donnerstag trifft sich Bill Gates mit einer Auswahl “Digitaler Pioniere” in Berlin. Die oben genannten Themen würde ich gerne einbringen. Eingeladen hierzu war ich, habe allerdings die Frist zur Terminbestätigung verpasst… @BillGates we got to reschedule #impatientoptimist! And I’d like to bring a colleague, too… 🙂

Update 1: Okay, ich darf auch nach der Frist noch teilnehmen. Und der Kollege? Klärt sich noch…

Update 2: Alles klappt – wir kommen morgen mit reichlich Ideen und zu zweit. Vielen Dank an die Veranstalter!

Crowdfunding in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit

Für die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit verfassen wir aktuell ein Dossier über die Einsatzmöglichkeiten und Erfolgsbedingungen für Crowdfunding im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Es erscheint voraussichtlich im März dieses Jahres.

Im Rahmen dieser Zusammenarbeit haben wir unterschiedliche Projekte beobachtet, darunter KhadiBag, ein Social Enterprise, das im Rahmen des Gründergarage-Programms im Vorjahr über € 10.000 für die Entwicklung und Produktion von sozialen und biologischen Taschen einsammeln konnte. Derzeit ist das Team um Projektinitiator Dave Balzer auf der Suche nach Vertriebs- und Kooperationspartnern, im April soll der KhadiBag-Online Store seine virtuellen Tore öffnen.

Ich habe mit Dave Balzer über sein Projekt und die Crowdfunding-Kampagne gesprochen und darüber, welche Rolle Crowdfunding in Zukunft im Bereich der Internationaler Entwicklungszusammenarbeit spielen kann.

ikosom: Was ist KhadiBag?

Dave Balzer: KhadiBag.com ist ein Social Enterprise. Unser Hauptziel ist es, die Welt nachhaltig zu verändern. Wir entwickeln und produzieren 100% soziale und ökologische Produkte und verzichten gänzlich auf nicht erneuerbare Rohstoffe. Wir sind der Meinung, dass mittels Einsatz von Kreativität, nicht nur wirklich nützliche Produkte entstehen können, sondern auch Produkte, die zu 100% biologisch abbaubar sind.

Alle unsere Produkte bestehen aus 100% Khadi Bio-Baumwolle und werden im größten Sozialprojekt Indiens hergestellt, das ebenfalls den Namen Khadi trägt.

In Zukunft möchten wir dieses Sozialprojekt lokal umlegen, um damit Menschen weltweit zu helfen und die Natur dabei nachhaltig zu schonen.

ikosom: Was ist Khadi?

Dave Balzer: Khadi ist von Hand gepflückte, gesponnene und verwebte Baumwolle und ist heute das größte Sozialprojekt Indiens. Khadi und die Village Factories wurden von M.K. Gandhi gegründet, um sich von der Kolonialmacht Großbritanniens zu befreien. Das Hauptziel des Projektes ist es, innerhalb des Landes Arbeit zu schaffen, anstatt sie in ein anderes Land zu verlegen. Dies geschieht unter dem strengen Auge des indischen Staates und bedeutet: keine Kinderarbeit, faire Bezahlung nach Kollektivvertrag, angenehme und menschenwürdige Arbeitsbedingungen und vieles mehr!

ikosom: Warum habt ihr das Projekt über Crowdfunding finanziert?

Dave Balzer: Neben dem Aspekt der Finanzierung, war es uns wichtig, ein Proof-of-Concept auf internationaler Bühne für unser Projekt zu erreichen. Wir wollten Crowdfunding einsetzen, um das Konzept auf Herz und Nieren zu testen und um zu sehen, ob der Markt und die Zielgruppe für unser Projekt offen sind und es von ihnen angenommen wird. Weiters haben wir enorm viel Feedback bekommen, dass wir bereits für unsere erste Produktreihe einsetzen konnten.

Es sei nur nebenbei erwähnt, dass gerade soziale Projekte wie unseres, das mehr auf den Social Impact fokussiert ist, als auf bloßem Profit, weniger Chancen auf eine staatliche Förderung oder einen Bankkredit haben. Dies war mit ein Grund, dass wir uns für Crowdfunding entschieden haben.

ikosom: Welche Vorteile bringt Crowdfunding im Gegensatz zu herkömmlichen Fördermethoden?

Dave Balzer: Zunächst einmal ist Crowdfunding eine relativ einfache, aber auch zeitaufwändige Angelegenheit. Einfach im Sinne von schneller Finanzierung ohne Sicherheiten, die normal notwendig wären, um bei Banken an dasselbe Kapital zu kommen. Zudem erhält man dieses Geld viel schneller, als von Banken oder von staatlichen Förderstellen. Somit ist eine rasche Vorfinanzierung eines Projektes möglich, das sich noch in einer sehr frühen Phase befindet.

ikosom: Welche negativen Erfahrungen habt ihr mit Crowdfunding gemacht?

Dave Balzer: Wie oben angesprochen, ist Crowdfunding eine enorm zeitaufwändige Geschichte. Wie Social Media sollte es nicht nebenbei gemacht, sondern von einem Team dauerhaft betreut werden. Es reicht einfach nicht ein schlichtes Video hochzuladen mit ein paar Zeilen Text. Eine Crowdfunding Kampagne erfordert viel Zeit, Mühe und eine Kommunikationsstrategie, damit es auch von der gewünschten Zielgruppe war genommen und auch verstanden werden kann.

Ein wichtiger Punkt dabei ist nicht außer Acht zu lassen: das Risiko, zu versagen! Es ist natürlich auch möglich, dass man das Fundingziel nicht erreicht und somit die ganze Arbeitszeit in den Sand setzt, die man für eine erfolgreiche Umsetzung des Projektes dringend brauchen würde.

Dabei gilt: Vorbereitung ist alles! Sollte es dennoch nicht klappen, ist das ein Zeichen dafür 1.) das Grundkonzept zu überdenken oder 2.) die Kampagne zu überarbeiten und es auf einer anderen Crowdfunding-Plattform erneut zu versuchen.

ikosom: Welche Rolle kann Crowdfunding in der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit spielen?

Dave Balzer: Crowdfunding funktioniert über das Internet und ist somit von Grund auf international und kann auch als ein solches Tool eingesetzt werden. Es ist ein ausgezeichnetes Werkzeug, um auf Probleme in Entwicklungs- und Schwellenländern hinzuweisen, ohne massiges Werbebudget, da es sich, bei guter Vorbereitung, wie von selbst im Internet verbreiten kann. Damit legt man den Grundstein für gleich 2 absolut entscheidende Dinge, um das Problem zu lösen: 1.) Bewusstmachen und Verbreitung der Problematik in und durch die Öffentlichkeit und 2.) Sammeln von Geldern, um dieses Problem zu beheben oder zumindest zu vereinfachen.

Crowdfunding ist ein absolut geeignetes Tool, um auf kleinere Probleme in Entwicklungsländern hinzuweisen und mit ein wenig Geld zu unterstützen. Für größere Probleme ist Crowdfunding, in dieser Form, jedoch noch unzureichend im Bewusstsein der europäischen Bevölkerung verankert. Um Größeres zu erreichen wäre dahingehend noch einiges an Aufklärungsarbeit notwendig.

ikosom: Wie kannst du eure Erfahrungen zusammenfassen?

Dave Balzer: Crowdfunding ist ein exzellentes Werkzeug, um schnell die erste Finanzierung zu ermöglichen und um zeitgleich das Konzept von Grund auf zu analysieren und testen zu lassen. Es ist weit zeitaufwändiger, als man es sich im Vorfeld vorstellt. Durch die kurze Laufzeit der einzelnen Kampagnen ist es aber ein sehr rasches Tool. Aber wie bei allen Projekten ist dabei das Wichtigste: die Vorbereitung!

Alles sollte im Vorfeld bereits erledigt sein, wie Texte und Videos, Fotos und eine Kommunikationsstrategie, um das Projekt von Anfang an voran treiben zu können (Stichwort: Social Media).

Alles in allem ist Crowdfunding kein Garant für eine erfolgreiche Finanzierung! Es ist ein hartes Stück Arbeit und keineswegs leicht verdientes Geld! Dennoch können wir aus eigener Erfahrung sprechen: ausprobieren sollte man es auf alle Fälle! Denn neben dem extrem schnellen und hohen Lernfaktor, erhält man direkt von der Zielgruppe ehrliches Feedback, welches das Projekt noch einmal weiter, schneller und besser vorantreiben kann.

ikosom: Vielen Dank für das Gespräch!