Tourismusmarketing im ländlichen Raum

Die klassischen Reiseportale werden abgelöst durch die soziale Netzwerke. Für Städte und Gemeinden, gerade im ländlichen Raum, wird Social Media zum Kommunikationskanal. Eine Studie unter britischen Touristen ergab, dass die Bewertungen von anderen Reisenden wesentlich wichtiger sind als die Bewertungen von unabhängigen Dritten. Der Wunsch nach Fotos und Videos vom Urlaubsort steht dabei ganz vorne.

Die sozialen Medien wie Facebook und Twitter sowie Foto- und Video-Plattformen wie Flickr und Youtube bedienen dieses Bedürfnis. Mehr und mehr lassen sich die Menschen bei Ihren Reiseentscheidungen davon beeinflussen, welche Urlaubsfotos ihre Freunde und Bekannte hochgeladen haben. Laut einer Nielsen-Studie sind die Empfehlungen von Bekannten für 90 Prozent der Reisenden der entscheidende Faktor.

Diese neue Art, persönliche Eindrücke weiterzugeben und Informationen zu finden, ist für den Tourismus sehr wichtig, gerade im ländlichen Raum. Klassische Werbung ist teuer und hat hohe Streuverluste. Anders ist dies im Internet – die Kontaktaufnahme ist schnell und einfach. Nicht nur mit der jüngeren Generation unter 30, die nahezu komplett im Netz vertreten ist, kann so kommuniziert werden. Nach dem (N)Onliner-Atlas 2010 der Initiative D21 nutzen über 87 Prozent der 30 bis 50 Jährigen das Internet.

„Die Frage hat sich gar nicht gestellt, ob wir soziale Medien nutzen. Unsere Gäste nutzen die sozialen Medien, also machen wir das auch.”, so Svenja Tannheimer, Social Media Managerin bei der Allgäuer Gemeinde Oberstdorf. Unter @oberstdorf berichtet sie über aktuelle Ereignisse und Angebote, aber nimmt auch Feedback von den Gästen entgegen.

Foto: Rob Pongsajapan

„Die Kommunikation in den sozialen Netzwerken eine sehr ehrliche Form der Unterhaltung, da jeder mitlesen und mitreden kann.”, so Tannheimer weiter. Twitter-Nachrichten machen neugierig auf den Dialog: “@running_joe Tolles Foto. Da hast du ja das perfekte Winterwetter erwischt.” Der Twitter-Nutzer Running_Joe wird sich sicherlich an diesen Winterurlaub gern zurückerinnen.

Florian Bauhuber vom Institut für eTourismus in Eichstätt unterteilt den Reiseprozess in fünf Phasen: Reiseinspiration, Informationsuche, Buchung, Reisedurchführung und Reisereflektion. Für jede dieser Reisephasen gibt es Social Media Tools. Vor und nach der Reise Plattformen wie Tripadvisor, Reisebuchungsplattformen wie Swoodoo oder Wikitravel, Angebotsportale für Städte wie Groupon, Social Ticketing Plattformen wie Amiando, sowie Lokalisierungsdienste wie Foursquare oder Bewertungsplattformen wie Qype während der Reise.

Diese Plattformen sind vernetzt mit den sozialen Netzwerken, so dass eine Bewertung eines Restaurants auf Qype auch auf den sozialen Netzwerken wie Facebook erscheinen kann und dann dort eventuell eher gefunden wird als die mühsam gepflegte Webseite. Reiseanbieter, Hotelplattformen und Hotelketten gehen dazu über, direkt auf Facebook eigene Seiten anzubieten, auf denen nicht nur informiert werden kann, sondern auch direkt gebucht werden kann.

Die Studie Reiseanalyse 2010 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. ermittelte, dass die Web 2.0 Plattformen im Augenblick von einem Sechstel der Reisenden aktiv zur Urlaubsrecherche genutzt werden. Für die Zukunft werden diese aber als sehr wichtig eingeschätzt werden. Videoplattformen, soziale Netzwerke, Blogs und Fotografie-Plattformen sind dabei die wichtigsten Kanäle für jeden vierten Reisenden, so die Studie.

„Tourismus im Zeitalter des Social Web bedeutet, der Gast bestimmt den Erfolg.“,so Benjamin Buhl, Touristikberater aus Hamburg. Buhl hatte für die Gemeinde Oberstaufen ein Konzept zum Tourismusmarketing im Web 2.0 erarbeitet und dieses umgesetzt. Teil des Konzepts war die Plattform “DubistOberstauffen”, auf der eigene Urlaubsvideos hochgeladen, von anderen Touristen bewertet und von der Gemeinde prämiert wurden. Die Nutzer trugen dann ihre Videos in die sozialen Netzwerke und trugen so zum Bekanntwerden des Urlaubsorts bei. Aber auch ungewöhnliche Marketing-Aktionen, wie zum Beispiel das Einladen von Google Street View in den kleinen Ort trugen zum positiven Image des Ortes bei.

Wichtig ist aber auch, dass man die lokalen Unternehmen einbindet in das Social Media Marketing. Svenja Tannheimer betont, wie wichtig die Schulung von Hoteliers und Pensionsbetreibern ist: “Zahlreiche Gastgeber haben sich dann an uns gewendet wenn es z.B. um die Erstellung einer eigenen FacebookmSeite für Ihren Betrieb geht.”, so die Social Media Managerin. Durch diese Schulung kann man sich über authentische Botschaften direkt aus dem Urlaubsort freuen. Gut für den Tourismus in den Kommunen.

Dieser Beitrag ist unter dem Titel „Unsere Gäste nutzen Social Media – wir also auch“ in der DEMO – Die Monatszeitschrift für Kommunalpolitik im März 2011 veröffentlicht und darf hier dankenswerterweise zweitveröffentlicht werden.

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