Crowdfunding-Studie 2011

Die Bekanntheit von Crowdfunding in Deutschland nimmt zu, das kann niemand bestreiten. Presseartikel häufen sich, zahlreiche Crowdfunding-Projekte werden initiiert und Crowdfunding-Plattformen werden gegründet. Mittlerweile gibt es mehrere Dutzend Crowdfunding-Plattformen weltweit. Im deutschsprachigen sind seit dem Spätsommer 2010 allein sechs neue Plattformen für Crowdfunding gegründet worden.

Dies ist die erste Crowdfunding-Studie in Deutschland. Sie ist durch eine enge Zusammenarbeit mit deutschsprachigen Plattformen entstanden. Die Studie konzentriert sich auf die Plattformen, die das bekannteste Modell des Crowdfundings, welches durch Kickstarter und indiegogo populär gemacht worden ist, für den deutschen Markt umgesetzt haben. Um die Vergleichbarkeit der Projekte untereinander zu gewährleisten, wurden Crowdfunding-Projekte außerhalb von Plattformen außer acht gelassen.

Die Studie gliedert sich in zwei Teile:

  • Eine Umfrage unter den Projektinitiatoren, welche die förderlichen und hinderlichen Rahmenbedingungen für den Crowdfunding-Erfolg untersucht.
  • Eine Vollerhebung, welche die Rahmendaten aller abgeschlossenen Projekte auf den deutschsprachigen Crowdfunding-Plattformen erfasste.

Zusammenfassung der Vollerhebung

Das Institut für Kommunikation in sozialen Medien hat in Zusammenarbeit mit den deutschsprachigen Crowdfunding-Plattformen die erste Crowdfunding-Studie in Deutschland durchgeführt. Es wurden 125 Projekte erfasst, die bis zum 15. April 2011 auf den sechs Plattformen inkubato.de, mySherpas.de, pling.de, respekt.net, startnext und visionbakery.de abgeschlossen wurden.

Die wichtigsten Ergebnisse der Vollerhebung sind:

  • Insgesamt wurden bislang 208.000 € über Crowdfunding eingeworben, wobei ca. 11.000 € entsprechend des Alles-oder-Nichts-Prinzip bei nicht erfolgter Finanzierung zurückgezahlt wurden.
  • Jedes zweite Crowdfunding-Projekt wird erfolgreich finanziert (53%). Von den bis zum 15. April 2010 durchgeführten 125 Projekte waren 67 erfolgreich.
  • Die Projekte haben sehr unterschiedliche Schwerpunkte – Filme, Aktionen und Veranstaltungen sind die meistverwendeten Kategorien.
  • Die Zielsumme reicht von 1 € bis 25.000 €. Die tatsächlich erreichten Summen reichen von 0 bis 26.991 €.
  • Der Mittelwert der erreichten Summe der finanzierten Projekte liegt bei 2.943 € (Zielwert 2.719 €), d.h. die Projekte wurden durchschnittlich mit 108% überfinanziert.
  • Insgesamt gab es 2.624 Unterstützer, wobei darunter auch Mehrfach-Unterstützer vorkommen. Die durchschnittliche Summe pro Unterstützer beträgt 79 €.

Zusammenfassung der Initiatoren-Befragung

Darüber hinaus wurden die Projektinitiatoren gebeten, Auskunft zu den förderlichen und hemmenden Rahmenbedingungen ihres Crowdfunding-Projekts wiederzugeben. Kohärent mit der Vollerhebung wurden nur die Initiatoren jener Projekte angesprochen, die bis zum 15. April abschlossen. Jedes fünfte Projekt hat sich an der Befragung beteiligt.

Die Projekte, die an der Befragung teilgenommen haben, sind ein repräsentativer Querschnitt der Vollerhebung. Die Daten der Gesamterhebung finden sich auch in der Stichprobe. Sowohl erfolgreiche als auch nicht erfolgreiche Projekte beteiligten sich an der Erhebung. Die wichtigsten Ergebnisse der Befragung im Überblick:

  • Mit der Betreuung durch die Plattform-Betreiber sind die Projektinitiatoren außerordentlich zufrieden.
  • Die bekanntesten der jungen deutschsprachigen Crowdfunding-Plattformen sind startnext (68%) und mySherpas (56%). Die weiteren Plattformen sind 32% (inkubato), 28% (respekt.Net), 24% (VisionBakery) beziehungsweise 16% (pling*) der Befragten bekannt.
  • Für ein Drittel der Befragten ist das persönliche Kennenlernen und Sympathie für die Betreiber bei der Wahl der Plattform ausschlaggebend.
  • Die Gründe für die Wahl des Finanzierungsinstruments Crowdfunding sind unterschiedlich. Häufig passt Crowdfunding zum Beteiligungskonzept der Projekte oder bietet die Chance zur Finanzierung, die auf anderen Wegen nicht gegeben wäre.
  • Viel Öffentlichkeitsarbeit hilft viel. Wenn Medien (Print, Radio oder Online) über ein Crowdfunding-Projekt berichten, ist die Chance auf die erfolgreiche Finanzierung besonders gut.
  • Der konzeptionelle und zeitliche Aufwand eines Crowdfunding-Projekts wird von Projektinitiatoren im Vorfeld unterschätzt.
  • Crowdfunder sind Wiederholungstäter. 96% der Befragten wollen (wahrscheinlich) wieder ein Projekt über Crowdfunding finanzieren.

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