Crowdfunding als Alternative zur klassischen Filmfinanzierung

Crowdfunding im Filmbereich hat im vergangenen Jahr im deutschsprachigen Raum an Bedeutung gewonnen. Kaum ein Festival verging, auf dem nicht im Rahmen eines Branchentreffens über die Möglichkeiten, Risiken und Chancen dieser alternativen Projektfinanzierung diskutiert wurde. Noch sind etablierte Produzenten und Filmemacher skeptisch gegenüber dem “Phänomen” Crowdfunding, da sich durch die offene und transparente Kommunikation im Crowdfunding-Prozess gewohnte Rollen und Abläufe in der Filmproduktion verschieben.

Mit der Studie “Crowdfunding im Film – Alternative Finanzierungsmöglichkeiten bei Deutschen Filmproduktionen” legt das Institut für Kommunikation in sozialen Medien (ikosom) nun die erste umfassende Bestandsaufnahme von Crowdfunding im Film vor.

Die Studie zeigt: Crowdfunding ist nicht nur eine Alternative in finanzieller Hinsicht. “Immer mehr Akteure im Filmbusiness begreifen Crowdfunding als Teil eines Paradigmenwechsels, der sich mit Hilfe neuer Medien und Kommunikationskanäle in den Bereichen Produktion, Marketing, Finanzierung und Vertrieb von Filmen vollzieht. Crowdfunding ist nicht nur reines Finanzierungsinstrument, sondern ermöglicht vor allem auch den Aufbau einer Community und dient der nachhaltigen Kommunikation mit den Fans”, so Wolfgang Gumpelmaier, Herausgeber der Studie und ikosom-Experte zum Thema Crowdfunding im Film.

Übersicht aller erfolgreichen Filmprojekte

Für die Studie “Crowdfunding im Film” wurden unterschiedliche Crowdfunding-Projekte im Bereich deutscher Filmproduktionen der vergangenen zwei Jahre untersucht und in den Kontext traditioneller Filmförderung gestellt. Dabei zeigt Marie Ebenhan, Autorin der Studie und Absolventin der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) “Konrad Wolf”, anhand von Beispielen für welche (Film-) Projekte Crowdfunding als Finanzierungsmodell geeignet ist und wann sich Produzenten besser entlang der klassischen Pfade traditioneller Filmförderung bewegen sollten.

Ebenhan’s Fazit: „Crowdfunding eignet sich z.B. als Gap-Finanzierung (Lückenfinanzierung) für einen Film. Sprich das Projekt hat bereits ein Gesicht, es gibt bereits Leute und/oder Institutionen, die davon überzeugt sind. Es ist also nur noch ein kleiner Schritt zur Verwirklichung des Films. 
Crowdfunding kommt besonders für Filme infrage, die sich nicht für die klassische Finanzierung eignen. Mit einer durchschnittlich erreichten Summe von 3.337 € über Crowdfunding-Plattformen können regulär leider nur kleine Summen umgesetzt werden. Dem gegenüber stehen erfolgreiche Projekte wie „Stromberg“, „Iron Sky“ und der „Bar25-Film“. Sie stellen definitiv Nischenprojekte dar, die durch ihre bereits existierende und meist breit aufgestellte Fanbase punkteten. Insofern ist Crowdfunding als alternatives Finanzierungsmittel nur für kleine bzw. Nischenfilmprojekte geeignet.“

Deutlich wird, dass Crowdfunding – zumindest bislang – für die meisten Produktionen nur ein Element im Finanzierungsmix darstellt. Die Zukunft wird zeigen, ob sich Crowdfunding auf dem deutschen Filmmarkt als Finanzierungsmodell etablieren und traditionelle Finanzierungsformen unter Umständen sogar ablösen kann. Die Studie “Crowdfunding im Film” liefert hierbei einen wichtigen Beitrag zur Diskussion um die Potenziale von Crowdfunding einerseits und die Chancen alternativer Finanzierungsmodelle im deutschen Filmmarkt andererseits.

Auf der ikosom-Webseite (www.ikosom.de/publikationen) ist die Studie “Crowdfunding im Film” zum Preis von € 24,99 als PDF zum Download erhältlich. Ebenfalls erschienen in der ikosom-Studienreihe “Crowdfunding”: The Power of the Crowd – Crowdfunding als Alternative Finanzierungsmöglichkeit für Musiker.

Gemeinsam mit gumpelMedia betreibt ikosom den Crowdfunding-Newsletter: http://gumpelmaier.net/crowdfunding-newsletter/

 

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