Crowdfunding für die Wissenschaft

Der deutsche Crowdfunding-Markt befindet sich derzeit in der Phase der Segmentierung. Neben den allgemeinen Plattformen entstehen immer mehr mono-thematische Anbieter. Ein Beispiel hierfür ist Sciencestarter, die erste deutsche Crowdfunding-Plattform  für die Wissenschaft.

Crowdfunding für wissenschaftliche Projekte ist nicht gänzlich neu, aber fand innerhalb der deutschen Community bislang fast gar nicht statt. Über die Möglichkeiten, den Rahmen und bisherige Ansätze haben wir mit Ulrich Herb gemeinsam einen Beitrag für den Sammelband Science2.0 geschrieben, der in den kommenden Monaten veröffentlicht wird.

Startseite von sciencestarter.de, der Crowdfunding-Plattform für Wissenschaft
Startseite von sciencestarter.de, der Crowdfunding-Plattform für Wissenschaft

Die Sciencestarter-Plattform wird von der Initiative Wissenschaft im Dialog verantwortet, die die Plattform Ende letzten Jahres gelauncht habe. Gefördert wird das Projekt vom Stifterverband der Deutschen Wissenschaft.

Einige Gedanken zur bisherigen Entwicklung von Sciencestarter:

  • Crowdfunding und Wissenschaft passt gut zusammen – vor allem, wenn dies eine transparente und öffentliche Kommunikation über Wissenschaftsprozesse bedeutet.
  • Bei der Plattform handelt es sich um eine Whitelable-Lösung von startnext, also eine erprobte Version mit den üblichen Funktionalitäten.
  • Bislang ist noch keine große Community von Wissenschafts-Crowdfundern erkennbar. Lediglich sieben Projekte wurden in den ersten 2-3 Monaten auf der Plattform eingestellt. Sie konnten durchschnittlich zwei Dutzend Unterstützer gewinnen – bei einem Ausreißer mit 93 Unterstützern.
  • Alle sieben aktiven Projekte stehen kurz vor Ende ihrer Laufzeit. Lediglich ein Projekt Mit „One World One Lab“ und „Literatur in Afrika“ sind bereits zwei Projekte erfolgreich. Keines der anderen Projekte konnte mehr als 40% der Zielsumme einsammeln.
  • Für den Moment bleibt unklar, warum die Plattform solche Startschwierigkeiten hat. Die Eigentümer verfügen eigentlich über eine große Reichweite in der deutschsprachigen Wissenschaft. Konnten Sie Crowdfunding den potentiellen Unterstützern bislang nicht erklären, sind die Projekte und deren Gegenleistungen nicht attraktiv genug oder woran könnte es liegen?

Bei ikosom überlegen wir auch immer wieder, ob sich (Teil-)Projekte und Forschungsvorhaben für Crowdfunding eignen. Einige Ideen und Ansätze dazu hatten wir schon, allerdings hatte davon bisher keines eine ausreichend hohe Priorität, dass wir es auch umgesetzt haben. Auch für 2013 ist Crowdfunding für einige Projekte wieder eine Option – hoffentlich ist Sciencestarter dann schon einen Schritt weiter.

7 Replies

  • Hallo Jörg,

    vielen Dank für den Artikel.
    Was die Startschwierigkeiten angeht, sind wir etwas anderer Meinung. Dafür, dass Crowdfunding für die Wissenschaft in Deutschland wirklich noch etwas ganz neues ist, sind wir, sowohl was die Starter als auch die Unterstützer angeht, schon ziemlich zufrieden. Von den sieben Projekten, die am 21.11.2012 beim Launch dabei waren, wurden schon zwei erfolgreich gefunded, was für den Anfang keine schlechte Quote ist, wie wir finden. Christian Stern mit seinem Projekt One World One Lab (http://www.sciencestarter.de/oneworldonelab) war der erste erfolgreiche Sciencestarter. Das zweite Projekt von Anne (Literature in Africa) hast du ja in deinem Beitrag erwähnt.
    Und wir sind optimistisch, dass es schon in den kommenden Tagen nicht bei zwei erfolgreichen Projekten bleiben wird.
    Auch das Medienecho auf die Plattform, vor allem aber auch auf die Projekte ist sehr groß, was ja, für uns von der Initiative (kein Verlag) Wissenschaft im Dialog, das eigentliche Ziel der Plattform ist – die Wissenschaftskommunikation.

    Wir sind also schon ziemlich zufrieden mit Sciencestarter, und freuen uns auf die nächsten Schritte.

  • Hallo Thorsten

    vielen Dank auf das zweite erfolgreiche Projekt! Das hatte ich beim Durchklicken leider übersehen und ändere das gleich im Artikel. Warum habe ich Euch abgespeichert als Herausgeber einer Zeitschrift zu Wissenschaftskommunikation? Ich glaube wir brauchen ein drittes Kennenlerntreffen 😉

    Für die weitere Entwicklung von Sciencestarter auf jeden Fall alles Gute – hoffen wir, dass das Momentum 2013 kommt.

  • Jörg hat einen Artikel geschrieben „Crowdfunding FÜR die Wissenschaft“ und ganz vergessen, dass ich vor einiger Zeit schon einen Artikel geschrieben hatte namens „Crowdfunding IN der Wissenschaft“. Hier sei er nochmal verlinkt:

    http://www.ikosom.de/2012/08/31/crowdfunding-in-der-wissenschaft/

    Ich hab damals schon klar gemacht, dass das von Kickstarter und auch von Startnext genutze Crowdfunding-Modell überhaupt keinen Sinn für die Wissenschaftsfinanzierung macht und man sich viel stärker an Projekten wie CancerResearchUK orientieren musste, die Crowdsourcing, OpenInnovation und Crowdfunding verbinden.

    Ihr habt Euch ja viel Gedanken gemacht über Eure Plattform, Thorsten, aber im Endeffekt habt Ihr Euch entschieden, den bequemeren, aber teureren Weg zu gehen, eine Whitelabel-Version bei Startnext einzukaufen, als Euch über eine eigene Struktur und Zielsetzung der Seite Gedanken zu machen und die Technik dann Euren Bedürfnissen anzupassen. Was mich besonders ärgert, ist dass Wissenschaft im Dialog zusammen mit den großen Forschungsverbänden so eine Power hätte, Crowdfunding im Wissensprozess zu etablieren, aber diese Chance so vertan wurde.

    Jörg ist da der Höflichere von uns beiden bei ikosom, aber ich finde, ihr habt zu spät zugehört und Euch zu wenig Expertise von außen angehört. Es sollte schnell gehen und das war das Problem. Wir hatten ja ein nettes Gespräch mit Dir und Deinem Chef und ihr seid ja auch auf andere in der Crowdfunding-Szene zu gegangen, aber im Endeffekt habt ihr ein Modell gewählt, dass nicht zu Euer Zielgruppe passt.

    Ja, hoffentlich geht es mit Sciencestarter voran. Hoffentlich, denn ich bin es leid, schon jetzt auf Veranstaltungen den schwachen Start von Sciencestarter erklären zu müssen, ohne Crowdfunding insgesamt zu schwächen. ikosom kann da helfen, so gut es geht. Wir können gerne mal ne Crowdlounge machen zum Thema Wissenschaftscrowdfunding.

  • Tut mir leid Karsten, aber ich muss dir da widersprechen.
    Das Ziel von Wissenschaft im Dialog ist die Stärkung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, also die Wissenschaftskommunikation. Diese Ziele verfolgen wir auch mit Sciencestarter. Die Öffentlichkeit will eben nicht unbedingt nur die „rationale Wissenschaft“ betrachten, wie du sie beschreibst, sondern auch die Gesichter und Menschen, die diese Wissenschaft betreiben. Dadurch wird Wissenschaft greifbarer, erlebbarer und ist nicht mehr so abstrakt, wie sie sich viele vielleicht vorstellen. Dass dieser Ansatz funktioniert und gut ankommt, sieht man auch bei Formaten wie den Science Slams und bei vielen anderen Formaten, wie wir sie im Laufe der Jahre entwickelt haben.

    Gerade aus diesem Grund haben wir bei Sciencestarter ganz bewusst versucht, uns möglichst nahe am „klassischen“ Crowdfunding von bestehenden Plattformen zu orientieren, gerade auch was die Darstellung der Projekte und die Einbeziehung von Dankeschöns angeht. Wir wollen mit der Plattform eben gerade zeigen, wer denn die Menschen sind, die Wissenschaft und Forschung betreiben, und der Öffentlichkeit damit einen neuen und persönlicheren Zugang zur Wissenschaft bieten. Dies erreichen wir durch die Videos, die den Wissenschaftler zeigen und den Dankeschöns, die oftmals sogar den unmittelbaren persönlichen Kontakt zwischen Wissenschaftler und dem Unterstützer ermöglichen.

    Wissenschaftler und die Öffentlichkeit – genau dies ist unsere Zielgruppe. Und genau das sind die Ziele, die wir mit der Plattform verfolgen. Insofern bin ich der Ansicht, dass du dir einfach etwas grundlegend anderes „erhofft“ hast und deshalb vielleicht enttäuscht bist und den Start von Sciencestarter als schwach beschreibst. Wir hingegen sind positiv überrascht davon, wie gut die Plattform ankommt, auf wie viel Interesse wir mit der Plattform stoßen, dass schon zwei Projekte gefördert wurden und weitere auf einem guten Weg sind. Zudem können wir schon jetzt sehen, dass auch die erreichten Budgets ansteigen und eine Größenordnung erreichen, die wir uns so schnell nicht erhofft oder gar geplant haben.

    Wir sind also ganz und gar nicht unzufrieden oder enttäuscht vom Start der Plattform, ganz im Gegenteil. Nichts desto trotz machen wir uns Gedanken, in welche Richtung wir die Plattform weiter entwickeln können um die Ziele von Wissenschaft im Dialog, den Dialog zwischen Wissenschaft und der Öffentlichkeit, weiter zu stärken.

    P.S.: Über Sciencestarter wurden bis heute übrigens schon mehr Euro gefunded als im gleichen Zeitraum über Startnext.

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