Crowdfunding für klassische Musik

Im Vorfeld zu einem Crowdfunding-Workshop mit der Jungen Deutschen Philharmonie in Frankfurt habe ich Projekte aus dem Umfeld der klassischen Musik recherchiert. Überraschenderweise fand ich dazu mehrere Beispiele, sogar einige aus dem deutschsprachigen Raum. Aufgefallen ist mir dabei, dass die meisten Projekte sich in eine der folgenden vier Funding-Kategorien einordnen lassen, wobei es natürlich Überschneidungen zwischen den Kategorien gibt:

(CD-) Aufnahmen: Die Projektinhaber finanzieren sich via Crowdfunding eine Konzert-Aufnahme, die für die Produktion einer DVD/CD verwendet wird.

Ein Beispiel dafür ist das Projekt „DVD Götterdämmerung Voigt/Tate“ der Hamburger Symphoniker, das auf startnext 23.130 Euro für die geplante DVD-Aufzeichnung des Symphoniekonzertes mit Deborah Voigt und Jeffrey Tate einsammeln konnte. Interessant ist hier, dass diese Summe von nur 22 Supportern eingezahlt wurde. Das liegt daran, dass Projektstarter Alexander Busche mehrmals Beträge von Großsponsoren in den Topf geworfen hat, die offensichtlich über das Crowdfunding auf das Projekt aufmerksam wurden. Zudem konnte er die ursprüngliche Zielsumme von 40.000 Euro halbieren, da sich aufgrund des Crowdfundings ein gewisser „Rabatt-Effekt“ eingestellt hat, wie er auf seiner Projektseite selber schreibt: „Nicht zuletzt dank dieser Plattform und der Präsenz, die das Projekt schon im Vorfeld durch die Crowdfunding-Aktion bekommen hat, ist es gelungen, die avisierten Partnerfirmen so sehr für das Projekt zu begeistern, dass sie uns unschlagbar gute Angebote gemacht haben und alle Resourcen Ihrer eigenen Firmen so bündeln, dass wir nun mit 20.000 Euro aufzeichnen können.“

(Spezial-) Veranstaltungen: Die Projektinhaber finanzieren sich via Crowdfunding eine oder mehrere Veranstaltungen oder Konzert-Touren.

So wird aktuell etwa für die „Deutschlandtour der Jungen Waldorf-Philharmonie“ Geld gesammelt. Insgesamt 5.000 Euro sollen mit Hilfe der Crowd zusammenkommen, um das Jugendorchester zum 10-Jährigen Jubiläum auf eine Konzert-Tour nach Berlin, Hamburg und Kassel zu schicken. Sehr nett fand ich hier, dass man sich hier mit der kleinsten Prämie á 10,- Euro an Schüler und Studenten richtete und ihnen auf diese Weise den Erwerb von ermässigten Karten ermöglichte. 

Musik-Experimente: Die Projektinhaber finanzieren sich via Crowdfunding ein innovatives, experimentelles Vorhaben. 

Serj Tankin ist vor allem als Lead-Sänger der Alternative-Metal-Band System of a down bekannt. Auf Kickstarter hat er 2012 für das Projekt „ORCA, The New Symphony by Serj Tankian: Live Show & Album“ über 40.000 Dollar von den Fans für die Inszenierung seiner ersten Symphonie erhalten. Sowohl Sänger als auch Crowdfunding-Plattform sind zwar aus den USA, die Premiere fand jedoch mit dem Karussell Orchestra (bestehend aus Mitgliedern des Bruckner Orchesters) im Brucknerhaus in Linz/Österreich statt.

Auch das Projekt „Open Goldberg Variations – Setting Bach Free“ passt am besten in diese Kategorie, weil es laut Initiator Robert Douglass nicht das klassische Klassik-Publikum ansprach, wie er in einem sehr lesenswerten Live-Chat erklärte: „Eigentlich waren die Leute meistens sehr technologie interessierte. Hacker Freaks und Programmierer die stundenlang Musik hören während die Arbeiten – die haben unseres Projekt sehr geschätzt. Nur die wenigsten gehören dem typischen klassischen Publikum.“

Jugend-Projekte: Die Projektinhaber finanzieren sich via Crowdfunding ein Projekt mit Bezug zur Jugend/Jugendarbeit. 

Bildschirmfoto 2013-07-01 um 23.19.26Generell fällt auf, dass sich viele Crowdfunding-Projekte aus dem Klassik-Bereich an die junge Zielgruppe richten, wobei laut Crowdfunding-Report der Popakademie die am stärksten vertretenen Altersgruppen die 20-49jährigen sind und sich die Jüngeren eher zurückhalten. Dennoch scheint es zu funktionieren, wie zum Beispiel das Projekt „jung | klasse | KLASSIK – Der Musiksommer im Braunschweiger Land 24.6“ aus dem Jahr 2012 beweist.

Auf der Crowdfunding-Seite heißt es dazu: „Ein wichtiges Anliegen ist es, jungen Menschen einen Zugang zur Musik, sei es nun Klassik, Jazz oder auch zeitgenössischer Musik, zu eröffnen. Gelingen soll dies durch ein Angebot an erstklassigen Künstlern und einer Preisstruktur, die es auch Menschen mit geringem Kulturbudget ermöglicht, die Konzerte zu besuchen.“ Offensichtlich mit Erfolg, denn momentan läuft bereits die zweite Crowdfunding-Aktion zum diesjährigen Festival: jung I klasse I KLASSIK – Der Musiksommer im Braunschweiger Land.

Crowdfunding für Klassik – was ist noch möglich?  

Auch wenn in DE-AT-CH bereits erste Schritte in Richtung Klassik-Crowdfunding gemacht wurden, so bin ich der Meinung, dass da noch viel möglich ist. Mich würde interessieren, ob euch noch andere Einsatzgebiete im Zusammenhang mit Orchester und/oder klassischer Musik einfallen? Oder ob ihr Projekte aus diesem Bereich kennt, die ihre Sache besonders gut gemacht haben? Aber auch welche Bereiche ihr gerne funden würdet? Wie immer freue ich mich über eure Kommentare.

Crowdscience: Crowdfunding-JD Teil IV – Kampagnenstart & Dankeschöns

ScienceStarterStart unserer Crowdfunding-Kampagne auf ScienceStarter

Seit 16.4. befinden wir uns offiziell in der Startphase für das Crowdfunding auf ScienceStarter. Jetzt geht es darum, dass wir mindestens 25 Fans gewinnen (das ist eine unverbindliche Interessensbekundung) und erste finanzielle Unterstützer. Da wir auch bei dem Crowdfunding open arbeiten wollen, führen wir weiterhin unsere montaglichen CrowdConnects durch, um die Finanzierungsziele, Dankeschöns und Kommunikationsstrategie zu entwickeln.

Hier klicken und Fan werden: vielen Dank!

 

Nächster Crowdconnect: 22.04.2013, 10:30 – 11:00 Uhr „Kommunikation & Netzwerk“

Hier reinklicken und live dabei sein: https://proj.adobeconnect.com/crowdscience

Beim nächsten Crowdconnect geht es darum, wie man die Kampgagne medial begleitet und darstellt. Was ist ein gutes Video als Aufruf und wie gut ist unseres bisher? Und wie kann man eine Crowd aufbauen: welche Netzwerke haben wir, wer könnte sich noch dafür interessieren und wie können wir diese für eine Unterstützung motivieren.

Der letzte Crowdconnect zu Dankeschöns (am 15.4.2013)

1) Zwischenstand zur öffentlichen Abstimmung über Projekt- und Finanzierungsziele

es haben bereits 22 TN an der Abstimmung mitgemacht, super Kommentare dafür abgegeben, warum das Projekt “junge Deutsche” weitergehen soll und den vorgeschlagenen Zielen Finanzierungspriorität gegeben. Man kann noch bis 29.04 daran teilnehmen: https://de.surveymonkey.com/s/crowdfunding-jungedeutsche_projektziele-und-finanzierung

2) Welche Dankeschöns sollen wir Unterstützer_innen anbieten?

es soll ein ehrlicher Dank sein, aber wenn es zu viel kostet und Zeitaufwand bedeutet, dann bringt es nicht so viel. In der einer Tabelle wurden Vorschläge diskutiert und im Nachgang in einer weiteren Priorisierungs-Abfrage zur Abstimmung aufgestellt. Die Abstimmung läuft hier: https://de.surveymonkey.com/s/crowdfunding-jungedeutsche_dankeschoens

Dokumentation: Video-Aufzeichnung des Crowdconnects und Protokoll in Form eines Open-Docs

 

* * * Weitere Informationen * * *

Worum es geht und was bisher geschah ist immer zusammengefasst auf www.ikosom.de/projekte/crowdfunding-jungedeutsche/

 

Crowdscience: Crowdfunding-JD Teil II – Live-Chat zu Projektzielen

ikosom und das Jugendforschugs- und Beteiligungsprojekt „junge Deutsche“ führen gemeinsam ein Crowdfunding-Projekt durch: Junge Deutsche 2013. Das Ziel ist es, die Studie Junge Deutsche 2013 als OpenScience-Projekt durchzuführen und über Crowdfunding die Finanzierung dafür sicherzustellen.

= = Nachfolgend der JD-Blogbeitrag von Simon Schnetzer (Gründer des Projekts) = =

Liebe Freunde des Projekts, verehrte Leserinnen und Leser,

die Entscheidung euch um finanzielle Unterstützung zu bitten hat sich nicht so groß angefühlt. Nach und nach entpuppt sie sich aber als ziemlich große Verantwortung, die wir gerne auf uns nehmen, weil wir daran glauben, dass dadurch das Projekt weitergeht und noch besser wird. Damit wir eure Erwartungen an die Wirkung der Unterstützung erfüllen können, werden wir sämtliche Schritte des Crowdfundings – von der Zielformulierung bis zu den Anreizen – öffentlich und partizipativ durchführen, evaluieren und dokumentieren.

JD-Crowdconnect #01 - Livemitschnitt2. Öffentlicher Crowdconnect: 8. April 2013 um 10:30 Uhr

Ort: Online im Video-Chat „Crowdconnect“: öffentl. Auswertung der Beteiligungsphase

Thema: Auftritt der Crowdfunding-Kampagne bei Sciencestarter und Vorgehen bzgl. der Projektziele

Außerdem: Start der Beteiligungsphase zu “Projekt- und Finanzierungsziele” (Dauer 08-14.04.2013)

Ankündigung: Montag, 15. April 2013 um 10:30 Uhr Crowdconnect: öffentl. Auswertung und Start der nächsten Beteiligungsphase

Protokoll der letzten Stitzung: der Link zur Video-Aufzeichnung des Crowdconnects und zum Protokoll in Form eines Open-Docs.

= = = zur Diskussion: Ziele & Prioriäten Continue reading „Crowdscience: Crowdfunding-JD Teil II – Live-Chat zu Projektzielen“

Crowdsourcing: partizipatives Studiendesign – 1. Beteiligungsphase

* * * ein Aufruf zum Mitgesalten der Studie „junge Deutsche 2012/2013“ * * *

Das Projekt Junge Deutsche 2012/2013 macht deutschlandweit junge Menschen zu partizipativen Aktionsforschern, um lokal die Rahmenbedingungen für die Übergänge zum Erwachsenwerden junger Menschen in Zahlen und Geschichten zu verstehen und sich politisch für konkrete Verbesserungen einzusetzen.

Um bereits die Themensetzung und Fragestellungen paritzipativ zu erarbeiten, führen die Organisatoren des Projekts zwei Phasen der Onlinebeteiligung durch, um das Wissen und die Erfahrungen der Crowd zu sourcen.

junge Deutsche 2012/2013 - ein Kooperationsprojekt von www.datajockey.eu und www.servicestelle-jugendbeteiligung.de

Kommentare | Gefällt mir | Teilen: Vielen Dank an alle, die sich die Zeit nehmen und mit ihren Meinungen und Ideen teilnehmen an der Fragebogenentwicklung oder ihr Netzwerk darüber informieren. Der Link  zur Befragung ist http://jungedeutsche.de/jd2012/fragebogenentwicklung-beteiligung/

Die erste Beteiligungsphase ist vom 9.-29. Juli 2012, mit dem Ziel die wichtigsten Fragen zu identifizieren und gut zu formulieren.

Die zweite Beteiligungsphase ist vom 6.-19. August 2012, mit dem Ziel die fast finale Version des Fragebogens auf Logik und Verständlichkeit zu testen.

Das Ergebnis dieser Beteiligungsphasen ist die Vorlage für den Fragebogen, der ab September als Onlineumfrage auf www.jungedeutsche.de steht und auf dem die bundesweit durchgeführten Interviews im Rahmen der Stadtstudien basieren. Je besser wir die Anliegen, Prioritäten und Facetten der Lebenswelten junger Menschen in Deutschland verstehen und erfassen, desto wirkungsvoller werden die Ergebnisse sein.

Vielen Dank für die Unterstützung,

 

Simon Schnetzer

(IKOSOM-Experte, Gründer des Projekts “junge Deutsche” und verantwortlich für die JD-Studiendurchführung)

www.jungedeutsche.de

www.twitter.com/jungedeutsche

www.facebook.com/jugendstudie

 

 

Whitepaper: Open Educational Resources für Schulen in Deutschland

Im Rahmen der Arbeitsgruppe Digitale Integration & Medienkompetenz des Co:llaboratory von Google wurde in den vergangenen Monaten über Open Educational Ressources (OER) diskutiert. Gestern nun wurde ein Whitepaper zu diesem Thema veröffentlicht, welches eine erste Bestandsaufnahme zur Anwendung im schulischen Bereich vornimmt.

Open Educational Resources für Schulen in Deutschland
Whitepaper zu Grundlagen, Akteuren und Entwicklungsstand im März 2012

Mit dieser ersten Fassung ist dem Autorenteam Mirjam Bretschneider, Felix Schaumburg und Jöran Muuß-Merholz ein sehr gute Diskussionsgrundlage gelungen. In einfacher Sprach geben sie einen Überblick über Ausgangslage und Perspektiven. Es wird die Entstehung der OER-Bewegung ebenso dargestellt wie die Akteure in der deutschen Bildungsressourcen-Landschaft. Spätere Kapitel widmen sich dem Komplex des Urheberrechts an Schulen und möglichen OER-Geschäftsmodellen.

Das Whitepaper verfolgt drei Ziele:

  1. Betroffenen und Interessierten soll der Einstieg in das Thema vereinfacht werden, indem ein Überblick über die relevanten Facetten geboten wird.
  2. Es soll Ausgangpunkt sein für die weitere Beschäftigung mit dem Thema innerhalb der Arbeitsgruppe und darüber hiaus.
  3. Weitere Akteure aus verschiedenen Branchen und Bereichen sollen miteinander ins Gespräch gesetzt werden.

Es war mir eine Freude dem Autorenteam im Review-Prozess zur Seite zu stehen und danke für die konstruktiven Diskussionen. Alle, die das Thema weiter begleiten möchten, sind eingeladen der OER-Gruppe auf Diigo beizutreten.

Digitale Abgeordnete – die Mitmach-Demokratie künftiger Generationen

Das Ziel des Projekts junge Deutsche (dessen Gründer ich bin) ist es, Deutschland aus der Sicht junger Menschen zu betrachten und etablierte, oft veraltete, Strukturen und Sichtweisen aus dieser Perspektive zu hinterfragen. Nachfolgend stelle ich Ihnen einige Ergebnisse der aktuellen Studie junge Deutsche 2011 vor und beschreibe, wie die parlamentarische Demokratie den Übergang in das digitale Zeitalter wagen könnte. Continue reading „Digitale Abgeordnete – die Mitmach-Demokratie künftiger Generationen“